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Freizeit Bad Sodener entwickelt neues Brettspiel rund um die Nordsee / Ferienbranche freut sich über Idee

Aus Sehnsucht nach Ostfriesland

Bad Soden.Mirko Link wohnt in Bad Soden bei Frankfurt am Main. Das ist ein netter kleiner Kurort mit Heilwasser, ringsum Streuobstwiesen und die grünen Bergkuppen des Taunus. Doch sein Sehnsuchtsort liegt weit im Norden Deutschlands – dort wo es flach und karg ist und das Meer sich zweimal am Tag zurückzieht. Von Ostfriesland ist der 45-Jährige so begeistert, dass er der Region ein eigenes Brettspiel gewidmet hat. Der Prototyp von „Frieslands Seefahrerey“ ist fertig, nach Weihnachten will Link das Spiel im Selbstverlag vertreiben.

„Ich war mit meinen Eltern und meinem Bruder im letzten gemeinsamen Familienurlaub zum ersten Mal an der Nordsee“, erzählt der Teamleiter im Personalmanagement einer Bank. „Das war 1994, und ich habe mich dort sofort zu Hause gefühlt.“ Dem ersten Urlaub sind viele weitere gefolgt. Mittlerweile fährt Link mit Frau, Sohn (12) und Tochter (9) nach Norden. Bis auf Baltrum hat er alle ostfriesischen Inseln erkundet, auch die kleine Vogelinsel Memmert. Seit 2013 urlauben die Links am liebsten auf Borkum – „eine Insel, wo einfach alles gepasst hat“.

Kaum Regentage erlebt

Und was fasziniert ihn so an Ostfriesland? „Es sind die Gezeiten, das ist ein Riesennaturschauspiel“, schwärmt Link. Am Meer gebe es immer etwas Neues zu entdecken. Das Wetter sei besser als sein Ruf, in zusammengerechnet 18 Urlaubswochen habe er nur fünf Regentage erlebt. „Wir hatten es oft warm bis heiß.“ Mit Plattdeutsch kommt der Hesse zurecht, und auch die Vorurteile über die angeblich so verschlossenen Ostfriesen sieht er widerlegt: „Man fühlt sich gut angenommen.“

Das Ostfriesland-Brettspiel entstand im Frühjahr, im Strandkorb in Links Garten in Bad Soden. Damals mussten wegen der Corona-Pandemie erstmals alle zu Hause bleiben. Die Aussicht auf den nächsten Nordsee-Urlaub war vage. Die Idee: „Man hat Schiffe und würfelt sich durchs Wattenmeer“, sagt Link. Mit Frage-und-Antwort-Karten gibt es bei „Frieslands Seefahrerey“ viel über die Inseln und die Ostfriesische Halbinsel zwischen Emden und Wilhelmshaven zu lernen. Um zu gewinnen, muss man Münzen erarbeiten und Leuchttürme auf den Inseln platzieren.

Ganz allein ist Link mit seiner Idee eines Regionalspiels nicht. Im Handel gibt es ein „Ostfriesland-Monopoly“ mit Attraktionen vom schiefen Kirchturm in Suurhusen (billig) bis Borkum (teuer). Es gibt den „Ostfriesenlauf“, es gibt das Brettspiel „8 mal durch Ostfriesland“ des Verkehrsvereins Aurich. In das Spiel „Arler Erde“ hat Entwickler Uwe Rosenberg die genaue Kenntnis von Land und Leuten seiner Heimat im Kreis Aurich einfließen lassen. Wie Fotos oder Souvenirs können auch solche Spiele die positive Erinnerung an den Urlaub wachhalten, sagt Wiebke Leverenz von der Ostfriesland Tourismus GmbH in Leer.

Umweltschutz als Motiv

„Es ist eine gute Möglichkeit, sich Ostfriesland ins heimische Wohnzimmer zu holen“. Auch „Butenfriesen“, wie sie sagt, die außerhalb von Ostfriesland leben, könnten so Kontakt zur Heimat halten. Wer sich im Spiel für Ostfriesland interessiert, der kommt auch als Feriengast wieder. Deshalb verfolgt die Tourismusmanagerin Leverenz, was es an Spielen mit regionalem Bezug gibt. Auch auf eigene Spiele als Werbemittel setzt die Tourismuszentrale, zum Beispiel ein Ostfriesland-Puzzle in Kooperation mit dem Spieleverlag Ravensburger. Im Netz und in der Handy-App gibt es die „Wattengames“ für Kinder, bei denen das Weltnaturerbe Wattenmeer von Müll befreit werden muss. Um Umweltschutz und Nachhaltigkeit geht es auch Link bei seinem Spiel. „Es gibt eine Belohnung für das Mitnehmen des Mülls nach einer Wattwanderung“, sagt er. Und die Spieler erfahren, wann und wo man auf Borkum nicht Autofahren darf. Von „Frieslands Seefahrerey“ will Link 100 Stück produzieren und dann sehen, wie die Nachfrage ist. lhe