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Hochschulen Mehr Präsenzveranstaltungen im Wintersemester / Unsicherheiten wegen Corona-Entwicklung

Ausnahmen für Erstsemester

Archivartikel

Mannheim/Stuttgart.Keine Kneipentour für Erstsemester und keine Partys zum Auftakt des neuen Semesters. Stattdessen gibt es an vielen Hochschulen für die Studienanfänger zum Start ins Wintersemester unter Corona-Bedingungen nur selten große Informationstage, manchmal wird zum Kennenlernen auch nur ein Online-Brunch angeboten. Die Hochschulen nehmen zwar die Anfänger in den Fokus: „Für die Erstsemester sind Veranstaltungen geplant, die soweit möglich gleichzeitig digital und in Präsenz stattfinden sollen“, heißt die Leitlinie der Rektoren der baden-württembergischen Universitäten. Doch digitale Campusführungen können direkte Kontakte der Studenten unter sich und zu den Professoren nicht ersetzen.

Traditionell startet die Uni Mannheim als erste Hochschule im Südwesten in ein neues Semester. Nach einer Woche ist die Leitung zufrieden. „Das Semester ist alles in allem gut angelaufen“, bilanziert eine Sprecherin. Vorrangig gebe es Präsenzveranstaltungen für Erstsemester und Examenskandidaten, ansonsten finde die Lehre weiterhin digital statt. „Die Studierenden halten sich sehr gut an die Abstands- und Hygienevorgaben“, erklärt die Sprecherin. Die Bibliotheken hätten wieder an sieben Tagen die Woche bis 22 Uhr geöffnet. Die neuen Scan-Angebote für Literatur und das erweiterte Onlineangebot würden gut angenommen.

Als „überwiegend positiv“ fassen die Mannheimer Asta-Vorsitzenden Hamun Zourmand und Nina Wolff die Rückmeldung der Studierenden zusammen. Die Einführung für die Studienanfänger laufe gut, die digitalen Lehrangebote kämen überwiegend positiv an.

Nachbesserungsbedarf sehen die beiden Sprecher im sozialen Bereich: „Der häufigste Kritikpunkt ist der Mangel an direkten und persönlichen Kontakten, die einen Großteil des studentischen Lebens ausmachen.“ Man müsse sehen, dass „Netzwerke gerade für junge Menschen in einem neuen Umfeld, einer neuen Stadt und einem neuen Lebensabschnitt ein wichtiger Anker sind“. Beide verstehen, dass sich die Studierenden da mehr wünschen, und empfehlen den später startenden Unis, „in dieser Hinsicht besondere Anstrengungen zu leisten“.

Abhängig von Infektionszahlen

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) hat den Hochschulen bei den Corona-Maßnahmen viel Freiraum gelassen und damit auch viel Verantwortung aufgebürdet. Jede Hochschule muss ihr eigenes Hygienekonzept aufstellen. Man sei im ständigen Austausch mit den Gesundheitsämtern vor Ort, erläutert Bastian Kaiser, der Vorsitzende der Rektorenkonferenz der Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW). Für Kaiser ist klar: „Sobald sich die Infektionslage zuspitzt und die Warnwerte überschritten werden, muss die Hochschule reagieren und gegebenenfalls Präsenzveranstaltungen wieder zurückfahren.“ Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass Studierende aus vielen Regionen einpendeln.

Die HAW haben maßgeschneiderte Konzepte ausgearbeitet, die den Studenten „die notwendige und wünschenswerte Präsenz auf dem Campus ermöglichen – jedoch nie allen gleichzeitig und nicht für alle Lehrveranstaltungen“. Besonders wichtig hält Benjamin Peschke, der Geschäftsführer der HAW-Rektorenkonferenz, Präsenz für die Erstsemester und für die eher praktischen Studienelemente in Laboren, Werkstätten und bei Exkursionen.

Bauer hat den Hochschulen die Möglichkeit eröffnet, nach dem Vorbild von Schulklassen feste Gruppen mit bis zu 35 Personen zu bilden, um zum Beispiel in Laboren auf den Mindestabstand zu verzichten. Auch praktische Übungen seien damit leichter zu realisieren. Ansonsten gelte in allen Hochschulen Maskenpflicht bis zum Sitzplatz. Auch die Ministerin fordert besondere Angebote für Studienanfänger neben der Lehre in digitaler Form, schränkt aber auch gleich ein: „Wie viel Präsenz geht, ist abhängig vom konkreten Infektionsgeschehen.“

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