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Mobilität Mainmetropole wird zur „Verkehrszentrale Deutschland“ / Bundesminister Andreas Scheuer übergibt neues Schild

Autobahn-Hauptstadt Frankfurt

Frankfurt.Frankfurt am Main hat den größten Flughafen in Deutschland und auch einen der größten Bahnhöfe. Jetzt wird die Stadt auch noch das Zentrum für den Autobahnverkehr in ganz Deutschland. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) übergab dem hessischen Ministerpräsidenten am Donnerstag schon einmal symbolisch das neue Schild für die „Verkehrszentrale Deutschland“, die ab 1. Januar 2021 von der neuen Autobahn GmbH betrieben wird. In den dafür vorgesehenen Räumen im Logistikzentrum HOLM am Frankfurter Flughafen arbeitet derzeit noch die hessische Verkehrszentrale des Landesbetriebs Hessen Mobil.

„Viel zu bescheiden“

„Verkehrszentrale Hessen ist viel zu bescheiden“, witzelte Scheuer, als er das neue Schild als Vorbote für die Umwandlung in den Autobahnbetrieb ganz Deutschlands überreichte. Die technische Aufgabe der dort ansässigen Fachleute an Computern und vor einer Monitorwand mit Bildern vom Verkehrsfluss auf den Autobahnen in Hessen wird sich mit der neuen Funktion nicht wesentlich ändern, nur wird das Gebiet natürlich größer. Von der „Verkehrszentrale Deutschland“ aus wird dann der Verkehrsfluss im Bundesgebiet überwacht und gesteuert, ebenso Staus auf den Autobahnen und das Baustellenmanagement. Als künftiger Leiter der Verkehrszentrale in Frankfurt wurde der zurzeit bei Hessen Mobil tätige Verkehrsfachmann Achim Reußwig vorgestellt.

Die Ansiedlung des Zentrums in Frankfurt ist Folge der drei Jahre währenden Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über die Zukunft der Autobahnverwaltung und deren insgesamt rund 15 000 Mitarbeiter in ganz Deutschland. Bisher wird der Autobahnbetrieb nämlich von den 16 Ländern in Auftragsverwaltung für den Bund wahrgenommen. Bouffier erinnerte aber daran, dass bei dem langen Ringen über die Bund-Länder-Finanzen der Übergang dieser Aufgabe direkt auf den Bund vereinbart wurde. Die dazu gegründete Autobahn GmbH ist nach der Absprache mit Beginn des übernächsten Jahres komplett für Planung, Bau, Betrieb, Erhalt und Finanzierung aller Autobahnen zuständig.

Die Pläne sorgten indes für einige Unruhe unter den 15 000 Beschäftigten der bislang noch dafür zuständigen Länderbehörden oder landeseigenen Betriebe. Scheuer, Bouffier und der ebenfalls bei der Übergabe anwesende hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hoben aber hervor, dass der Konflikt mit einem ausgehandelten Tarifvertrag beigelegt werden konnte. Darin wird, wie es heißt, allen Betroffenen die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes garantiert und dass sie keinerlei Nachteile rechtlicher Art oder beim Einkommen erleiden, wenn ihr Anstellungsverhältnis auf den Bund oder seine Gesellschaft übergeht.

Ministerpräsident Bouffier zeigte sich erfreut über die erst in den vergangenen Tagen getroffene Standortentscheidung. Hessen gehöre zu den bedeutendsten Verkehrsdrehscheiben in Deutschland, sagte er. Das Frankfurter Kreuz habe mit täglich mehr als 365 000 Fahrzeugen die höchsten Verkehrsmengen im gesamten deutschen Fernstraßennetz. Bouffier zeigte sich sicher, dass die geplante Einrichtung als „Masterzentrale“ an neuen Konzepten arbeiten werde, die die Verkehrsströme im Bundesgebiet noch besser fließen lasse. Tatsächlich soll die Verkehrszentrale auch gemeinsam mit Industrie und Wissenschaft Leitanwendungen und Zukunftstechnologien im Bereich Verkehrslenkung und Verkehrssteuerung entwickeln.

Zwar werde es auch in Zukunft Baustellen auf den Autobahnen geben, die als störend empfunden werden, sagte Al-Wazir. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass es mit Hilfe der Frankfurter Leitzentrale gelinge, die Probleme zu reduzieren. Schließlich arbeite die Einrichtung rund um die Uhr. Und in knapp drei Monaten werde das sie beherbergende HOLM über einen S-Bahn-Anschluss verfügen. Auch wer den Verkehr überwacht, darf schließlich mit der Bahn zur Arbeit fahren.