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Pandemie Abstands- und Hygieneregeln sollen in Geschäften, Restaurants und im Nahverkehr besser kontrolliert werden

Baden-Württemberg ruft zweite Warnstufe aus

Archivartikel

Stuttgart/Mannheim.Nachdem zuletzt die Zahl der Corona-Infektionen in Baden-Württemberg stark angestiegen ist, hat die Landesregierung die zweite Corona-Alarmstufe ausgerufen. Zum einen sollen die Vorgaben der Abstands- und Hygieneregeln in Restaurants, Kneipen, Bars sowie in Geschäften und im Nahverkehr besser kontrolliert werden, zum anderen appelliert die Regierung an die Bevölkerung, das Coronavirus ernst zu nehmen.

„Das Virus ist noch immer da - und leider stecken sich seit Wochen wieder mehr Menschen an“, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in Stuttgart. Auch im Südwesten sind einzelne Infektionsgeschehen in den Stadt- und Landkreisen immer schwerer nachzuverfolgen.

Es gab zuletzt etliche Ausbrüche bei privaten Feiern oder auch in Pflegeheimen. Die meisten Fälle meldeten der Landkreis Esslingen und der Stadtkreis Mannheim. Im Durchschnitt aller Südwest-Kreise lag die Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Corona-Fälle in einer Woche bezogen auf 100 000 Einwohner - zuletzt bei 16,4 Fällen.

Grün-Schwarz hatte im September ein dreistufiges Alarmsystem vorgestellt. Die zweite Pandemiestufe wird nach folgenden Kriterien ausgerufen: Es müssen landesweit im Schnitt in den vergangenen sieben Tagen mehr als zehn Infektionen je 100 000 Einwohner vorliegen und in mindestens 50 Prozent der 44 Stadt- und Landkreise muss die Sieben-Tage-Inzidenz höher als fünf sein. Beides ist in Baden-Württemberg inzwischen der Fall.

Appell an Bevölkerung

Allein in der vergangenen Woche haben die Südwest-Gesundheitsämter rund 14 000 Nachverfolgungen unternommen - also nach Covid-19-Fällen versucht, die Infektionsketten zu identifizieren. „Wir appellieren an die Verantwortungsgemeinschaft der Vernünftigen“, sagte Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne). Laut Lucha sind - wie unsere Zeitung bereits berichtete - inzwischen auch wieder mehr ältere Personen, die zur Risikogruppe gehören, infiziert. „Das oberste Ziel ist es nun, die Stufe drei zu verhindern“, so Lucha.

Die dritte Pandemiestufe - die kritische Phase - tritt dann ein, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz durchschnittlich pro Woche und je 100 000 Einwohner den Wert 35 landesweit überschreitet. Steigt der Wert über die 35er-Marke an, käme es wieder zu massiven Einschränkungen des Schulbetriebs, im öffentlichen Personennahverkehr oder bei privaten Feiern.

Kretschmann erklärte, man wolle in Baden-Württemberg verhindern, dass - wie in Madrid oder Paris - beispielsweise Cafés oder Bars wieder schließen müssten. Lucha betonte, dass es jetzt vor allem auch wichtig sei, die Kontrollen zu verschärfen. Dies gelte beispielsweise für die Kontaktlisten in der Gastronomie. Wer falsche Angaben macht, den erwartet ein Bußgeld zwischen 50 und 250 Euro.

Eine weitere Maßnahme ist der Ausbau der Corona-Teststellen und Fieberambulanzen. Hier sieht sich das Land gut aufgestellt, schließlich seien die Fieberambulanzen im Südwesten bereits flächendeckend vorhanden, so Lucha. Das Gesundheitssystem im Südwesten sei gut aufgestellt, erklärte der Sozialminister. Kretschmann sagte, mit der zweiten Phase sei nun die „Hab-Acht-Stufe“ erreicht worden. Er mahnte: „Wir müssen jetzt alles tun, damit die Zahlen nicht weiter ansteigen und das Virus im Griff behalten.“

Auch der Präsident der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar, Manfred Schnabel, mahnte zur Vernunft: „Die Wirtschaft der Region hat sich mit maßgeschneiderten Hygienekonzepten auf die Herausforderung der Pandemie eingestellt, um bestmöglichen Gesundheitsschutz zu gewährleisten. Vor dem Hintergrund einer nach wie vor existenzbedrohenden Lage für viele Unternehmen appellieren wir an die Politik, keine erneuten flächendeckenden Einschränkungen in Angriff zu nehmen.“ Der Appell an alle laute: „Abstand wahren, auf Hygiene achten und Alltagsmaske tragen. Unsere Gesellschaft braucht jetzt Eigenverantwortung von jedem Einzelnen.“

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