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Anbau Junge Landwirte aus Hessen experimentieren mit Kichererbsen und Quinoa / Forscher: Klimarisiken abmildern

Bauern holen Exoten aufs Feld

Friedberg.Auf den Speisekarten angesagter Lokale und den Tellern Ernährungsbewusster dürfen sie derzeit nicht fehlen: Kichererbsen, Quinoa und Co.. Die Gewächse gelten als supergesund, kommen exotisch daher – können mittlerweile aber auch hessisch sein. Einige junge Bauern in Hessen wagen das Experiment und pflanzen Feldfrüchte an, deren Hauptanbaugebiete in weiter Ferne liegen. Damit springen sie gleich auf mehrere Trends auf: Es geht um Ernährungsmoden, Regionalität und Nachhaltigkeit.

Produkte wie der als „Korn der Inka“ gepriesene Quinoa oder die Kichererbse können bei letzteren nicht mithalten. Diese haben häufig lange Wege aus Übersee oder dem Mittelmeerraum hinter sich, ehe sie hierzulande in bunten Salaten oder als Hummus-Dip im Wrap landen.

Doch mittlerweile gibt es auch Kichererbsen aus der Wetterau: Im vergangenen Jahr baute Albert Bickert die wärmeliebende Hülsenfrucht erstmals auf dem Familienbetrieb in Friedberg-Bruchenbrücken an, wie der Jung-Landwirt erzählt. Interesse habe ihn dazu bewogen und die Überlegung, ob man Trend-Lebensmittel nicht auch aus heimischem Anbau anbieten könne. „Die Verbraucher wollen wissen, wo die Produkte herkommen.“ Der Klimawandel habe bei seiner Entscheidung dagegen keine Rolle gespielt, sagt Bickert.

Neue Vielfalt „sinnvoll“

Auf Äckern im Odenwald wächst ebenfalls ein Neuling: Johannes Böhm und seine Mitstreiter Mario Schuchmann und Andreas Michel bauen seit 2017 das aus Südamerika stammende Fuchsschwanz-Gewächs Quinoa an. Es gehe um eine nachhaltige Wertschöpfung und darum, diese zu erhöhen, sagt Böhm. Auf die Idee, Quinoa anzubauen, kamen die drei demnach aufgrund persönlicher Ess-Erlebnisse und weil Quinoa im Trend liege. Sie seien zuversichtlich gewesen, dass das „Inka-Korn“ auf hiesigen Äckern gedeihe – die Kartoffel komme ursprünglich ja auch aus Südamerika.

Auf neue Vielfalt auf den Äckern zu setzen, hält Agrarwissenschaftler Andreas Gattinger von der Uni Gießen für sinnvoll: „Ich denke schon, dass das aus ökonomischen Gründen eine Einkommensalternative zu den gängigen Marktfrüchten wie Getreide, Raps oder Gemüseprodukten sein kann“, erläutert der Professor für Ökologischen Landbau mit dem Schwerpunkt nachhaltige Bodennutzung. Denn die Verbraucher suchten auch ganz gezielt nach Lebensmitteln, die eine Besonderheit darstellten. „Und wir haben den Trend zur veganen Ernährung. Dafür sind Hülsenfrüchte wie Kircherbsen und Sojabohnen ein wichtiger Bestandteil. Diesen Trend sollte man auch von landwirtschaftlicher Seite bedienen.“ Zudem sei es wichtig, eine größere Vielfalt an Lebensmitteln in der Region zu schaffen, sagt der Forscher auch mit Blick auf den Klimawandel. „Es zeichnet sich ein Trend ab, beispielsweise mehr heimisches Soja anzubauen. Das ist wichtig – denn eine Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel ist es, die Angebotsvielfalt hin zu wärmeliebenden Kulturen zu erweitern.“ Kulturvielfalt auf dem Acker sei eine Strategie, „um Klimarisiken abzumildern“. lhe