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Wahrzeichen Vor einem Jahr brannte der Goetheturm

Baupläne, aber keine heiße Spur zum Täter

Frankfurt.In den frühen Morgenstunden des 12. Oktober 2017 schlagen Flammen zum dunklen Himmel empor. Als die Feuerwehr im Frankfurter Stadtwald eintrifft, sehen sie den aus Holz gebauten Goetheturm, ein Wahrzeichen der Stadt, „wie eine Fackel“ brennen. Schnell steht fest: Hier ist nichts mehr zu machen. Die Feuerwehrmänner können nur noch dafür sorgen, dass die Flammen nicht auf den Wald übergreifen.

Ein Jahr später hält die Trauer vieler Frankfurter über den Verlust des Turms an. „Es ist immer viel Emotion und Leidenschaft dabei, wenn über den Turm gesprochen wird“, sagt Günter Murr, Sprecher des Frankfurter Baudezernats. Schließlich stand der Turm rund 85 Jahre.

Doch die ausgebrannte Ruine im Stadtwald sollte nicht das Ende sein. Das stand schon sehr bald fest. Mittlerweile ist ein Ingenieurbüro gefunden, das an einem Entwurf für einen neuen Turm arbeitet. „Der neue Goetheturm soll weitgehend so aussehen wie der alte“, versichert Murr. Dafür hatten sich 78 Prozent der Frankfurter in einer Online-Befragung ausgesprochen – selbst wenn das bedeutet, dass der Turm nicht barrierefrei gebaut werden kann. Wenn alles nach Plan läuft, könnte der neue Goetheturm Mitte 2020 fertiggestellt sein.

Spendenkonto wächst

Wer das Feuer gelegt hat, ist nicht bekannt. Klar ist: Es war ein Fall von Brandstiftung mit Brandbeschleunigern. „Kriminaltechnisch sind alle Spuren ausgewertet“, sagt Isabell Neumann, Sprecherin der Frankfurter Polizei. „Wir haben einige Hinweise bekommen, die mal mehr, mal weniger hilfreich waren. Es waren aber keine dabei, die uns auf eine heiße Spur gebracht haben.“

Die insgesamt zehn Ermittler der „AG-Holz“ machen jedenfalls weiter – zumal das Feuer im Goetheturm nicht der einzige Fall war, bei dem ein „Feuerteufel“ die Finger im Spiel hatte. Zuvor waren in Frankfurter Parks zwei ebenfalls aus Holz errichtete Pavillons abgebrannt, auch in einem aus Holz gebauten Gebäude einer Kindertagesstätte wurde ein Feuer gelegt. Gibt es einen Serientäter? „Wir halten es weiterhin für möglich, dass die Holzbrände in einem Zusammenhang stehen, können aber eine sogenannte Serie aus kriminalistischer Sicht nicht nachweisen“, sagt die Polizeisprecherin.

Wo einst der 41 Meter hohe Aussichtsturm stand, der einen schönen Blick über Baumwipfel und die Frankfurter Skyline ermöglichte, sind heute die unzerstörten Fundamente eingezäunt. In der Mitte steht ein kleines, rotes Modell des Turms. „Macht heile, was kaputt ist“, hat jemand auf einen Zettel geschrieben.

Noch immer gehen nach Angaben der Stadt Spenden ein. Das Spendenkonto ist mittlerweile auf 161 000 Euro angewachsen. Die Zweitversion des Turms muss an die aktuellen Bauvorschriften angepasst werden. „Es wird einige Metallelemente geben“, sagt Murr und betont: „Die sind aber nicht sichtbar.“ Der Turm solle dadurch haltbarer gebaut werden, auch eventuelle Reparaturen seien dann einfacher.

Immerhin: Ein Teil des alten Goetheturms wird in der neuen Konstruktion weiterbestehen, so Murr. „Die Fundamente können weiterverwendet werden. Man sieht sie zwar nicht, aber der Goetheturm behält gewissermaßen seine Wurzeln.“