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Berufsausbildung Landesregierung fordert von Stadt- und Landkreisen flächendeckend Vorbereitungskurse / Hoffmeister-Kraut spricht von Erfolgsmodell

Bessere Hilfe für Jugendliche ohne Lehrstelle

Archivartikel

Stuttgart.Die grün-schwarze Landesregierung will mehr Jugendlichen durch bessere Betreuung am Übergang von der Schule zum Beruf zu einer Lehrstelle verhelfen. Mit dem neuen Doppelhaushalt stehen 2,4 Millionen Euro bereit, um die speziellen Vorbereitungskurse für junge Leute ohne Schulabschluss oder mit anderen Handicaps künftig in allen 44 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs anzubieten. „Es muss uns gelingen, dass mehr Jugendliche eine Ausbildung absolvieren“, sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) am Rande eines Fachkongresses mit 700 Teilnehmern in Stuttgart.

„Jugendliche mit Förderbedarf sind ein großes Potenzial, das wir besser erschließen müssen“, betonte Hoffmeister-Kraut. Sie verwies auf die 9000 unbesetzten Lehrstellen im Südwesten und die vielen Betriebe, die händeringend Fachkräfte suchen. Dazu bietet die Regierung schon seit 2014 Finanzhilfen für den speziellen Bildungsgang „Ausbildungsvorbereitung dual“ (AVdual) an. Inzwischen gibt es die Kurse an 53 Berufsschulen in 21 Landkreisen mit 3000 Teilnehmern. Neben dem Schulunterricht absolvieren die Schüler umfangreiche Betriebspraktika und werden von Sozialpädagogen unterstützt. „Viele bekommen einen Ausbildungsplatz in dem Betrieb, wo sie ein Praktikum gemacht haben“, erklärte die CDU-Ministerin. Dieser „Klebeeffekt“ vor allem garantiere eine höhere Erfolgsquote als bei anderen Förderprogrammen. Im Schnitt 36 Prozent der Teilnehmer schaffen nach dem einjährigen Kurs die Brücke in eine duale Ausbildung. Für Hoffmeister-Kraut ist das ein „Erfolgsmodell“. Man müsse bedenken, dass die Hälfte der Teilnehmer beim Start keinen Schulabschluss habe.

Gemeinsam mit Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will Hoffmeister-Kraut erreichen, dass AVdual bis 2025 flächendeckend eingeführt wird. Zuständig sind die Kreise als Träger der Berufsschulen. Die Städte Heilbronn und Mannheim sowie Weinheim sind bereits dabei, aus den ländlichen Regionen zum Beispiel die Landkreise Tuttlingen und Schwarzwald-Baar. Einen Antrag gestellt haben aktuell die Kreise Main-Tauber und Neckar-Odenwald. Eisenmann reicht das nicht: „Wir machen weiteren Landkreisen das Angebot.“ Ziel sei es, schrittweise andere Förderangebote wie das Berufsvorbereitungsjahr zu ersetzen.

Herzstück im Betreuungskonzept sind die Begleiter, die den Jugendlichen zugeordnet sind. „Die rufen schon mal morgens an und erinnern die Jugendlichen an den Arbeitsbeginn“, erläuterte Eisenmann. Viele junge Leute bräuchten Hilfe, weil ihnen die Konsequenz fehle, sie ratlos seien oder Rückschläge schlecht verkraften könnten. Manche hätten schlicht keine Alltagsstruktur.

Entscheidendes Erfolgskriterium ist für Hoffmeister-Kraut die Zusammenarbeit aller Akteure aus Wirtschaft, Schulen und Jobcenter in regionalen Steuerungsgruppen. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe würden Plätze für Praktika zur Verfügung stellen.

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