Länder

Resozialisierung Rheinland-pfälzisches Justizministerium und Bundesagentur für Arbeit planen gemeinsame Angebote

Bessere Jobberatung während der Haft

Mainz.Eine flächendeckende und zeitige Beratung durch die Arbeitsagentur soll die Jobchancen von Ex-Häftlingen in Rheinland-Pfalz erhöhen und deren Resozialisierung fördern. Am Mittwoch unterzeichneten Justizminister Herbert Mertin (FDP) und die Chefin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Heidrun Schulz, in Mainz eine Kooperationsvereinbarung.

Diese legt einheitliche Standards für die Zusammenarbeit vor. Fortan bieten Berater der Arbeitsagentur in sämtlichen Justizvollzugsanstalten (JVAs) regelmäßige Sprechstunden für Gefangene an. Diese wiederum können Dienstleistungen der Agentur bereits drei Monate vor ihrer Entlassung in Anspruch nehmen.

Der Sozialdienst in den Anstalten bereitet Häftlinge auf die Beratungsgespräche vor. Dabei geht es etwa darum, den Lebenslauf auf den neuesten Stand zu bringen, nötige Unterlagen für eine Bewerbung zusammenzustellen oder realistische Jobchancen auszuloten.

Justizminister Mertin sagte, es sei im Zuge der Resozialisierung von Strafgefangenen sehr wichtig, ihnen auch einen Arbeitsplatz zu vermitteln. „In der Vergangenheit gab es da ein gewisses Problem.“ Schulz sagte, es habe in den Anstalten Zweibrücken, Frankenthal, Trier und Wittlich zwar schon vorher feste Termine für Gefangene gegeben. Andernorts sei das lediglich sporadisch und nicht fest geregelt gewesen. Dies ändere die Vereinbarung.

Wichtig für die Betroffenen sei auch, dass die „Geldleistung“ stimme, betonte die Regionalchefin der Arbeitsagentur – dass etwa ohne Verzögerung Leistungen wie Arbeitslosengeld II ausgezahlt würden. Eine rechtzeitige Vorbereitung sei wichtig, damit das Geld schnellstens da sei. „Unser Anliegen ist es, den Zugang zum Arbeits- und zum Bildungsmarkt noch weiter zu erleichtern“, sagte Schulz.

Alltag enorm wichtig

Mertin verwies auf zahlreiche weitere Angebote für Gefangene in den Anstalten. Es gebe Haftlockerungen, um die Wohnungssuche für die Zeit nach der Haft zu erleichtern. In den JVAs könnten auch Ausbildungen oder Fortbildungen absolviert sowie ein Führerschein gemacht werden.

Dass eine Arbeit für die Zeit nach dem Gefängnis und eine Rückkehr in einen geregelten Alltag eminent wichtig sind, sieht auch der Kriminologe Rudolf Egg so: „Sie ist für die allermeisten das Zentrum.“ Arbeit bringe Struktur, Kontakte zu Kollegen und Einkünfte. Je länger jemand in Haft sei, desto schwieriger sei es, ihn wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Selbst wenn jemand während der Haft gearbeitet habe, sei das nicht dasselbe wie in Freiheit. Im Gefängnis sei jeder Tag wie der andere, es gebe feste Rhythmen, das sei in Freiheit nicht so.