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Landesgesundheitsamt Behörde legt Jahresbericht vor / 93 000 Einschulungstests ausgewertet / Plakatkampagne zu Handynutzung

Bewegung – oft mangelhaft

Stuttgart.Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg hat am Dienstag seinen Jahresbericht vorgelegt. Darin geht es unter anderem um Einschulungsuntersuchungen, Ernährung, Zecken im Klimawandel, Masern, Eltern am Handy.

Einschulungsuntersuchungen

Kinder aus sozial schwächeren Familien bewegen sich deutlich schlechter als Fünfjährige aus besser gestellten Schichten. Dies ergibt sich aus einer Auswertung des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg von 93 000 Einschulungsuntersuchungen. Dabei wurden bei gut jedem vierten Kind Defizite festgestellt. Bei Fünfjährigen aus höheren Gesellschaftskreisen waren es 22 Prozent, bei Gleichaltrigen aus Familien mit niedrigerem Sozialstatus dagegen 32 Prozent. Als Konsequenz fordert der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer mehr Bewegungsangebote in Kindergärten und Grundschulen.

Für die Studie hat die Behörde die Einschulungsuntersuchung für alle Fünfjährigen im Südwesten ausgewertet. Dabei liegt die Messlatte für die motorischen Auffälligkeiten ziemlich niedrig: Nur wer keine sieben Hüpfer auf einem Bein schafft, fällt in diese Kategorie. Deutlich überrepräsentiert sind die Jungs. Bei ihnen sind 35 Prozent auffällig in der Körpermotorik, wenn die Familie einen niedrigen Sozialindex hat. „Die Chancen auf ein gesundes Aufwachsen sind ungleich verteilt“, fasst Michael Böhme die Studie zusammen. In den letzten Jahren habe sich an den Befund wenig geändert: „Es ist ganz schwierig, etwas zu bewegen.“ Ein Ansatzpunkt seien Aktionen gegen die Elterntaxis zur Schule.

Ernährung

Auch bei der Ernährung sieht Regierungspräsident Reimer ein deutliches Sozialgefälle: „Wie bei der Bewegung fehlen Kindern aus benachteiligten Familien auch Anregungen und Motivation für gesundes Essen.“ Der Grünen-Politiker kritisiert, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eine leicht verständliche Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln ablehnt. In Frankreich habe die Kennzeichnung den Verzehr von süßen Getränken deutlich reduziert.

Zecken im Klimawandel

Nutznießer der heißen Sommer sind auch die Hyalomma-Zecken, die aus Südeuropa, Afrika und dem Mittleren Osten zuwandern. Vor 2018 gab es nur zwei Nachweise, allein im letzten Jahr dann 30, davon zwei in Baden-Württemberg. Nachdem für dieses Jahr bereits sieben Funde im Mai gemeldet wurden, glaubt Zeckenexperte Rainer Oehme, dass die Tiere hierzulande überwintert haben. Noch sei aber unklar, ob die tropischen Zecken, die sich erst ab 30 Grad wohlfühlen, in Deutschland eine Population bilden können: „Dafür müssten fortpflanzungsfähige Tiere aufeinandertreffen und ausreichende Wärme für die Entwicklung der Eiger vorherrschen.“

Masern

Welche Folgen eine fehlende Masernimpfung haben kann, führt Behördenchefin Karlin Stark mit einem Beispiel vor. Ein nicht geimpfter Jugendlicher hat nach einem Thailandaufenthalt 40 Personen angesteckt, sieben davon Säuglinge. Es war der größte von zwölf Ausbrüchen mit insgesamt 101 infizierten Personen. Stark unterstützt die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der Impfungen mit Zwangsmaßnahmen erreichen will.

Kampagne für Online-Pause

Das Landesgesundheitsamt will mit einer neuen Plakatkampagne Eltern für die Folgen ihrer Handy-Nutzung sensibilisieren. „Wir wollen die Eltern anregen, über ihr Verhalten mit dem Smartphone in Gegenwart ihrer Kinder nachzudenken“, erläutert Johanna Körber. Gerade bei kleinen Kindern laufe Kommunikation oft über Blickkontakte. „Für die gesunde Entwicklung von Kindern ist es von großer Bedeutung, dass sich Eltern mit ihnen beschäftigen“, erläutert die Expertin. Ein Plakatmotiv zeigt einen mit seinem Handy beschäftigten Vater, der nicht merkt, dass ein Kind auf der Schaukel seine Aufmerksamkeit möchte.