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Justiz Fall um totgeschlagenes Kind wird neu aufgerollt

BGH kippt Urteil

Karlsruhe.Der Fall um den totgeschlagenen kleinen Raphael aus Geislingen (Kreis Göppingen) muss neu aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob gestern ein Urteil des Ulmer Landgerichts gegen die Mutter und deren Ex-Partner auf. Damit bleibt das inzwischen getrennte Paar weiter auf freiem Fuß. Das Landgericht Ulm hatte die beiden im vergangenen Jahr als Mittäter zu je fünf Jahren Haft verurteilt - obwohl im Dunkeln blieb, wer das schon Wochen zuvor schwer misshandelte Kind jeweils prügelte und schließlich umbrachte.

"Für uns war die Entscheidung sehr schwer", sagte der Vorsitzende Richter des 1. Strafsenats, Rolf Raum. Aus Sicht des BGH aber habe das Landgericht die Mittäterschaft nicht hinreichend begründet. Eine andere Strafkammer des Landgerichts muss nun neu bewerten.

Das Paar war von der Vorinstanz wegen "mittäterschaftlich begangener Körperverletzung mit Todesfolge" verurteilt worden. Mit ihrem Urteil hatten die Richter beide Angeklagten gleichermaßen in die Pflicht genommen. Dagegen wehrten sich die beiden nun erfolgreich mit ihrer Revision. Mutter und Ex-Freund hatten sich während des Prozesses im vergangenen Jahr die Schuld für andauernde Gewaltorgien gegen das Kind und dessen Tod vor sechs Jahren gegenseitig zugeschoben. Die Ulmer Richter hatten rohe Gewalt gegen den Jungen konstatiert. lsw