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Natur Einst galten die Tiere regional als ausgestorben – inzwischen tauchen sie wieder auf

Biber erobern Gebiete zurück

Archivartikel

Freilingen.Stockenten und Zwergtaucher ziehen still ihre Bahn, unter den Zweigen einer Weide steckt eine scheue Bekassine den langen Schnabel ins Wasser. Ihren Teich verdanken sie einem Biber. Vor einem Jahr gab es oberhalb des Westerwald-Dorfs Freilingen nur eine Wiese am Saynbach. Als Anwohner den Staudamm entdeckten, dachten sie zuerst an Kinder. Aber Nagespuren an gefällten Weiden lassen keinen Zweifel daran, wer sich hier als Landschaftsarchitekt betätigt hat.

„Das ist eine kleine Sensation, dass wir den Biber jetzt auch im Westerwald haben“, sagt der Vorsitzende der Naturschutzinitiative, Harry Neumann. Die nächstgelegenen Biberstandorte gebe es in der Eifel und in Hessen. Lange Zeit vom Aussterben bedroht, breitet sich der Biber wieder aus – was nicht immer ohne Konflikte bleibt.

So hat sich auch der Biberteich bei Freilingen in kurzer Zeit so sehr ausgedehnt, dass ein direkt vorbeiführender Wanderweg, der Westerwaldsteig, in der Senke etwas überschwemmt wurde. Die obere Naturschutzbehörde, die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, genehmigte deswegen im Mai eine Wasserabsenkung.

Diese Regulierung sollte auf einem möglichst hohen Wasserpegel erfolgen, um den Standort für den Biber zu erhalten, erklärt eine Sprecherin der SGD Nord. Neumann kritisiert jedoch, dass die Absenkung während der Brutzeit von Wasservögeln vorgenommen worden sei. Er sorgt sich besonders um das wie der Biber streng geschützte Tüpfelsumpfhuhn, das am Biberteich aufgrund seiner charakteristischen Rufe nachgewiesen worden sei. „Mit der Ankunft des Bibers ist die Artenvielfalt erheblich gestiegen“, erklärt Neumann.

„Die Biber sind auf dem Vormarsch“, sagt Stefanie Venske, die das Biberzentrum der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) leitet. „Wir haben jedes Jahr eine Zunahme von Revieren in Rheinland-Pfalz.“

Um das Jahr 1840 galt der Biber in Rheinland-Pfalz als ausgestorben. Etwa 1994 tauchte er am Eifel-Flüsschen Prüm wieder auf. Aktuell wird der Bestand auf 160 bis 200 Tiere geschätzt. Und Josephine Keller vom Umweltministerium rechnet mit steigenden Zahlen: „Der Biber hat noch längst nicht alle Fluss- und Bachsysteme rückerobert.“