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Religion Das Bistum Mainz will etliche Sparmaßnahmen umsetzen und erntet dafür Proteste / Auswirkungen auf Schulen und Kinderbetreuung

Bischof: Keine Alternative zum Umbau der Kirche

Archivartikel

Mainz.Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sieht als Reaktion auf den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel in Deutschland keine andere Möglichkeit zur Zukunftssicherung der Kirche als den eingeleiteten Strukturumbau. „Wir werden an unserem Pastoralen Weg festhalten, weil wir in zentralen Fragen, die auch Rom anmahnt, eigentlich auf dem richtigen Weg sind“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

„Dennoch müssen wir das Gespräch suchen und unsere Ziele und Pläne vielleicht noch transparenter und noch theologisch fundierter darlegen. Es gibt zum Pastoralen Weg tatsächlich keine Alternative.“ Er wünsche sich allerdings, dass der Umbau nicht nur als ein Prozess gesehen werde, bei dem die Kirche Dinge abgebe. „Er ist genauso ein Weg, auf dem wir uns geistlich neu einstellen und auf die derzeitige Situation der Kirche in der Gesellschaft realistisch reagieren – um unserem Auftrag als Kirche gerecht zu werden.“

Der von Kohlgraf eingeschlagene Pastorale Weg soll das Bistum in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen und zurückgehender Einnahmen aus der Kirchensteuer zukunftssicher machen. Vorgesehen ist unter anderem die Zusammenführung von 134 örtlichen Einheiten auf 50 Pfarreien und die Einführung eines Zweckverbandes für Kindertagesstätten.

Das Bistum Mainz hatte Ende September bekannt gegeben, dass es sich wegen der schlechter werdenden Finanzlage von fünf der 18 Schulen in seiner Trägerschaft trennen wird. Außerdem sollen drei Tagungshäuser geschlossen werden. Betroffen sind Standorte in den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz. Kohlgraf hatte die Pläne, die Proteste hervorriefen, als „schmerzhafte Einschnitte“ bezeichnet.

Geld sinnvoll einsetzen

Wegen der Folgen der Corona-Pandemie hat sich der Spardruck genau wie in anderen Bistümern zusätzlich verstärkt. Das Bistum kündigte an, bis zum Jahr 2030 jährlich rund 50 Millionen Euro einsparen zu wollen. Der Wirtschaftsplan für das kommende Jahr hat ein Volumen von 361,1 Millionen Euro – 1,1 Prozent mehr als in diesem Jahr. Der Fehlbetrag von Einnahmen und Ausgaben soll 2021 von 45 bis 50 Millionen in diesem Jahr auf rund 38 Millionen Euro verringert werden. „Der Ruf nach einer ärmeren Kirche kommt immer wieder“, sagte Kohlgraf. „Natürlich macht Geld, macht Besitz die Kirche nicht zwangsläufig lebendiger. Aber auch eine arme Kirche ist nicht aus sich heraus lebendig.“ Die Kirche müsse das Geld, das sie habe, verantwortungsvoll einsetzen. Doch könne sie nicht mehr ausgeben, als sie habe. „Das heißt, es wird immer eine Spannung geben zwischen den Grenzen, auch den finanziellen Grenzen des Bistums, und dem Auftrag und der Verantwortung, die wir gegenüber Menschen und Einrichtungen übernommen haben.“ lhe