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Sexueller Missbrauch Diözese möchte Prävention verbessern, damit Kinder und Jugendliche sicher sind

Bistum Limburg will Skandal aufarbeiten

Archivartikel

Limburg.Gesprächsangebote, Arbeitsgruppen und externe Untersuchung: Mit einem umfangreichen Projekt will das Bistum Limburg jetzt den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufarbeiten und außerdem die Prävention verbessern. Es solle einen Beitrag dazu leisten, dass Kinder und Jugendliche in der Limburger Diözese „sicher leben und ihren Glauben erfahren können“, sagte Bischof Georg Bätzing gestern. Das Bistum, das auf hessischem und rheinland-pfälzischem Gebiet liegt, sieht sich mit dem Vorhaben als Vorreiter.

„Es geht in dem Projekt um die Perspektive der Opfer und nicht, wirklich nicht um die Perspektive der Kirche“, betonte Katholikenvertreterin Ingeborg Schillai. Die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung ist zusammen mit Bischof Bätzing die Auftraggeberin des Projekts, das auf ein Jahr angelegt ist. Arbeitsgruppen sollen acht Themenfelder bearbeiten. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen sollen im kommenden Jahr vorliegen.

Personalakten werden gesichtet

Zu den Zielen gehört dem Bistum zufolge, „bestmöglich“ Verdachtsfälle und Taten aufzuklären sowie sexuellen Missbrauch zu verhindern. Verantwortliche sollen benannt und Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Eine „adäquate Kommunikation“ mit Opfern soll „nachhaltig an die Stelle von Vertuschung und Bagatellisierung“ treten.

Geplant ist unter anderem eine externe Untersuchung von Vorfällen und Verdachtsmomenten. Dafür sollen noch einmal alle Personalakten gesichtet werden. Die Ergebnisse werden veröffentlicht und der Staatsanwaltschaft übergeben, wie Bätzing ankündigte. „Ich möchte wissen: Was war die Verantwortung, wie sah die aus, wo sind Fehler gemacht worden, wer trug sie?“ Die Arbeitsgruppen sollen sich auch um Tabu-Themen wie die katholische Sexualmoral, den Umgang mit Homosexualität oder Machtmissbrauch kümmern. Zu den weiteren Themen gehören die Rolle der Frau oder die Aus- und Weiterbildungsordnung.

Mit dem Projekt reagiert das Bistum nach eigenen Angaben auf die im September vorgestellte Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche und daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen. Der Untersuchung zufolge sollen sich bundesweit zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 Kleriker an 3677 Kindern und Jugendlichen vergangen haben. In Limburg wurden 85 Opfer benannt.

Dem Bistum zufolge gelten derzeit 45 Limburger Priester und Diakone als Beschuldigte, zwölf weitere stammten aus anderen Diözesen. Eine Liste mit Namen, die das Bistum an die Staatsanwaltschaft übergeben hat, enthält 35 Namen. Den Unterschied erklärte ein Sprecher damit, dass in einigen Fällen Verdächtige bereits gestorben seien.

Kritikern gehen die Maßnahmen der katholischen Kirche bislang nicht weit genug. Erst im März hatte die Deutsche Bischofskonferenz unter anderem angekündigt, künftig mit unabhängigen Beratungsstellen zusammenarbeiten zu wollen, um Opfern sexueller Gewalt schneller helfen zu können. Man wolle auch stärker auf Betroffene zugehen. lhe