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Tierdiebstahl Landeskriminalamt verzeichnet deutlich mehr Anzeigen wegen mutmaßlich gestohlener Hunde oder Fische

„Bobby“ und „Mili“ noch immer vermisst

Archivartikel

Wiesbaden/Butzbach.In einem Fall traf es „Bobby“, in einem anderen „Mili“. Die Hunde verschwanden aus Tierheimen und wurden mutmaßlich gestohlen. Es kommt immer wieder vor, dass in Hessen Haus- oder Nutztiere zu Diebesbeute werden. Die Polizei registrierte zuletzt Dutzende Anzeigen deswegen. Die Täter und Hintergründe bleiben oft unbekannt.

Nach den Worten der Leiterin Nadine Bernardy sind aus dem Tierheim Wiesbaden schon öfter Tiere gestohlen worden. Aktuell suchen die Pfleger nach „Mili“. Die Pekinesin war im März aus ihrem Zwinger verschwunden. „Unser Gelände mit vielen Gebäuden direkt an Bahngleisen ist schwer zu sichern“, sagt Bernardy. Das habe auch ein gemeinsamer Termin mit Sicherheitsberatern der Polizei ergeben. „Mili“ sei nachts verschwunden, die mutmaßlichen Täter hätten vermutlich einen Zaun überwunden.

Vor kurzem wurde ein Fall aus der Wetterau bekannt: Anfang Juni verschwand „Bobby“ aus dem Tierheim in Butzbach. So etwas sei noch nie vorgekommen, erzählt Einrichtungsleiterin Claudia Maid. Das Merkwürdige an dem Fall sei, dass der Staffordshire Bullterrier-Mischling am Tag von dem Tierheim-Gelände, auf dem sich die Hunde frei bewegen können, verschwunden sei. „Bobby“ sei ein sogenannter Listenhund. Auf dieser Liste stehen als gefährlich eingestufte Rassen, für deren Haltung eine behördliche Erlaubnis notwendig ist.

Im vergangenen Jahr gingen bei Hessens Polizei 59 Strafanzeigen wegen mutmaßlich gestohlener Haustiere ein, wie das Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden mitteilt. Davon betrafen 37 Anzeigen Hunde, elf Katzen, sieben Anzeigen gingen wegen verschwundener Hasen ein. Auch im Nutz- oder Wildtierbereich wurden Fälle gemeldet: Die mit 126 meisten Anzeigen betrafen Fische, gefolgt von Schafen (18) und Vögeln (14). Nach LKA-Angaben listet die Statistik nur die Zahl der Anzeigen, nicht die der gestohlenen Tiere auf.

„In der Regel handelt es sich wohl um Einzelfälle, wenn Tiere aus Heimen entwendet werden“, sagt Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

Lukrativer Handel

Grundsätzlich sei es denkbar, dass es sich beim Verschwinden von Tieren auch um ein organisiertes, kriminelles Geschäft handeln könnte, da der Handel mit Rassehunden lukrativ sei. „Bisher gab es unseres Wissens aber nie konkrete Beobachtungen oder gar gerichtsverwertbare Beweise für solche kriminellen Handlungen im großen Stil.“

Einige Täter versuchten wohl auch, auf diese Art an einen „Listenhund“ zu kommen, so Gerlach. „Es soll auch Fälle gegeben haben, in denen der ehemalige Besitzer sich sein Tier zurückgeholt hat oder in denen sich ein Interessent nicht damit abfinden konnte, dass eine Vermittlung nicht zustande kam.“ lhe