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Interview Forstminister Peter Hauk (CDU) fordert mehr Geld und Personal für Klimaschutz und Maßnahmen vor Ort

„Brauchen schnell neue Bäume“

Archivartikel

Forbach.Aus allen Forstrevieren Baden-Württembergs erreichen Forstminister Peter Hauk (CDU) derzeit dramatische Schadensmeldungen über den Wald. Beim Vor-Ort-Besuch im Baden-Badener Stadtwald in der Nähe von Forbach äußert er sich über das Gebot der Stunde und die Maßnahmen, die private Waldbesitzer jetzt treffen sollten.

Herr Hauk, die Waldschadensberichte sind dramatisch. Sie selbst haben gesagt: Der Wald löst sich auf. Was würden Sie kleineren Privatwaldbesitzern raten, um zu retten, was zu retten ist?

Peter Hauk: Gott sei Dank ist es nicht so, dass sich der Wald flächendeckend auflöst. Aber es gibt flächendeckend Schäden. Dem Waldbesitzer rate ich, dass er sich jetzt intensiv um seinen Wald kümmern soll. Er sollte ihn wöchentlich begehen, wenn er Fichten hat, muss er schauen, ob er Bohrmehl, Dürreschäden oder Pilze findet. Man muss jetzt einfach schauen, wie es dem Wald geht. Und wenn er Bäume findet, die vom Borkenkäfer besetzt sind, müssen die schnellstmöglich gefällt und aus dem Wald gezogen werden, damit die Käfer, die noch in den Bäumen sitzen, nicht ausfliegen und andere Bäume befallen.

Viele Privatwaldbesitzer wohnen ja nicht in der Nähe ihres Waldstücks und können nicht regelmäßig vorbeischauen. Gibt es für sie Unterstützung vom Land?

Hauk: Wir bieten kleineren Waldbesitzern sogenannte Waldinspektionsverträge an, das heißt, dass ein Fachmann regelmäßig nach ihren Wäldern schaut. Aber wir haben längst nicht mehr das Personal, um das im Wochenabstand leisten zu können. Der Vertrag war so gedacht, dass wir alle paar Monate nach dem Wald schauen oder dann, wenn es ein aktuelles Ereignis wie einen Sturm gibt. Für wöchentliche Inspektionen fehlt uns einfach das Personal. Aber wir müssen in Zukunft viel personalintensiver arbeiten.

Auch der Forst beklagt, dass es generell an Forstpersonal fehle, um die Schäden zu bearbeiten. Die Reviere seien zu groß. Werden Sie bei den Haushaltsverhandlungen einen großen Nachschlag fordern?

Hauk: Wir gehen mit Personalforderungen im niedrigen dreistelligen Bereich in die Haushaltsverhandlungen. Das ist nicht so viel, dass das Land das nicht schultern könnte. Diese Forderung ist kein reiner Wunsch mehr, sondern eine schiere Notwendigkeit. Wir müssen im Zeitalter des Klimawandels das Personal aufstocken, damit wir die Waldeigentümer beraten und die Arbeiten unterstützen können. Viele Waldbesitzer haben mit ihrem Wald gar nichts mehr zu tun, manche wissen gar nicht mehr, wo genau er liegt.

Gehen Sie davon aus, dass die Grünen als Öko-Partei ihre Forderungen mittragen?

Hauk: Es wäre natürlich toll, wenn es eine Koalition der Klimafreunde gäbe. Man muss für die Bewältigung der Klimaauswirkungen etwas tun. Ich bin davon überzeugt, dass unser grüner Koalitionspartner dafür einen Sensor hat und dem CDU-Minister, der das Thema ressortmäßig verantwortet, die nötigen Personalstellen und das nötige Geld zumisst. Es geht nicht nur um Stellen, sondern auch um Geld.

Müssen wir uns vom Wald verabschieden?

Hauk: Der Wald wird bleiben. Aber er wird durch den Klimawandel anders aussehen, als wir ihn kennen. Und das müssen wir aktiv angehen. Wir brauchen für die Flächen, auf denen Bäume durch Trockenheit und Schäden abgestorben sind, schnell neue Bäume, die CO² speichern. Es ist die Pflicht der Stunde, dass wir den CO²-Speicher Wald erhalten. Alle anderen Überlegungen sind auch wichtig, müssen aber dahinter zurücktreten. Der Klimawandel muss sofort angegangen werden. Baumarten, die bislang nur eine Nebenrolle hatten, werden auf einmal eine Hauptrolle spielen, Douglasie oder Roteiche etwa. Und wir werden uns auf Baumarten einstellen müssen, die wir bislang gar nicht im Wald hatten – wie etwa den Tulpenbaum, der klimaresistent ist und auch noch ein bisschen Ertrag abwirft. Auch der Ertrag ist ein wichtiges Moment. Ökologie kostet Unsummen, und man muss zumindest versuchen, dass sich der Wald auch ökonomisch ein wenig trägt. Es ist ja nicht schädlich, wenn mit dem Wald gewirtschaftet wird, im Gegenteil. Geschlagene Bäume speichern CO2 und leisten damit einen wichtigen Beitrag für das Klima. Damit auch noch Geld zu verdienen, ist keine Schande.

Das Interview wurde persönlich geführt und zur Freigabe vorgelegt.

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