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Literatur Eröffnung in Frankfurt am 15. Oktober / Verlage schöpfen Hoffnung, da Verkaufszahlen wieder anziehen

Buchmesse setzt auf Digitales

Archivartikel

Frankfurt.Die Norweger kommen. Mit dem Zug. Inklusive Prinzessin. Das macht dem diesjährigen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse so schnell keiner nach. Wenn alles läuft wie geplant, rollt zur Eröffnung am 15. Oktober am Frankfurter Hauptbahnhof der „Literaturzug“ ein. An Bord: Kronprinzessin Mette-Marit und zwei Dutzend der bekanntesten Autoren ihres Landes.

An die 100 norwegische Schriftsteller wollen bis 20. Oktober zur Buchmesse kommen, weiß Margit Walsø, Direktorin von Norwegian Literature Abroad. Zu den Gästen zählen Krimiautor Jo Nesbø, Maja Lunde („Die Geschichte der Bienen“) oder Erik Fosnes Hansen („Choral am Ende der Reise“). 250 Bücher aus Norwegen werden 2019 ins Deutsche übersetzt.

Der Gastland-Auftritt steht unter dem Motto „Der Traum in uns“. Wie der Pavillon aussieht, ist noch geheim. Die Norweger wollen „imaginäre Geografie der norwegischen Literatur“ zeichnen, so Walsø. Kein Geheimnis ist die Rednerliste bei der Eröffnungsfeier: Neben Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg werden Autoren Karl-Ove Knausgård und Erika Fatland sprechen.

Das Gastland genießt stets die größte Aufmerksamkeit, ist aber nur ein Teil der Buchmesse. Insgesamt erwartet Buchmessen-Direktor Juergen Boos etwa 7500 Aussteller aus 150 Ländern. Damit läge die Messe auf Vorjahresniveau. Der Ticket-Vorverkauf laufe sogar besser, hatte Boos im September gesagt. 2018 waren an den fünf Messetagen mehr als 285 000 Besucher gekommen.

Gesellschaftliches Signal senden

Die Messe ist inzwischen so divers, dass man kaum noch einen Schwerpunkt ausmachen kann. Das ist durchaus gewollt: „Wie ein Brennglas bündelt die Frankfurter Buchmesse die großen Themen der Gegenwart“, sagt Boos. Wichtig ist ihm, dass von der Buchmesse auch ein gesellschaftliches Signal ausgeht. Eine ganze Reihe von Kampagnen und Veranstaltungen haben den Kampf um die Meinungsfreiheit im Blick.

Ein weiteres Thema: die Erweiterung des Erzählens. Bewegte Bilder bekommen mehr Raum, virtuelle Realität und künstliche Intelligenz werden erstmals breiter behandelt. Dafür wird das Frankfurter Festival „Biennale des Bewegten Bildes“ in den Messebereich „The Arts+“ integriert. Zu sehen sind 360-Grad-Ausstellungen, Erlebnisse hinter VR (Virtuelle Realität)-Brillen und experimentelle Digital-Kunst. Ein weiterer Trend sind Audio-Produkte. Erstmals hat die Messe für Hörbücher oder Podcasts einen eigenen Bereich geschaffen.

Anders als in den Vorjahren gibt es hoffnungsvolle Signale für Buchhändler und Verlage: Zum ersten Mal seit 2012 ist die Zahl der Buchkäufer in Deutschland wieder gestiegen. Kauften 2017 noch 29,6 Millionen Menschen mindestens ein Buch im Jahr, waren es 2018 wieder 29,9 Millionen. Auch das laufende Jahr sei erfolgreich gestartet, sagt der Hauptgeschäftsführer des Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis: Der Umsatz stieg bis August 2019 um 2,9 Prozent. „Der Funke hat die Glut zum Lodern gebracht“, so Skipis. „Für den Rest des Jahres sind wir sehr optimistisch.“

Damit der Trend sich fortsetzt, will die Messe „Zukunftsthemen“ fest im Blick behalten: neue Technik, neue Vermittlungsformen, neue Lesergruppen. Für Anbieter technischer Lösungen wurde eine „Start-Up Area“ ins Leben gerufen. Es gibt Foren für Bookstagrammer, Buchblogger und BookTuber. Jugendliche bekommen neben den „Kids“ ein Areal für die „New Generation“.

Während die Messe unter der Woche den Fachbesuchern vorbehalten ist, lockt das Publikumswochenende mit Stars: TV-Moderator Thomas Gottschalk, Wald-Experte Peter Wohlleben, Krimi-Autorin Nele Neuhaus und Klimaaktivistin Luisa Neubauer sind beispielsweise dabei. Die deutsche spielt gegen die norwegische Autoren-Nationalmannschaft, 50 Jahre nach der deutschen Veröffentlichung gibt es ein „Herr der Ringe“-Event. Stärker als in den Vorjahren drängt die Messe in die Innenstadt. Mit dem Titel „Bookfest“ tritt die Messe auch als Veranstalter auf. 30 Events finden auf der Messe, 50 außerhalb statt.