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Missbrauch Erzbischof sucht nach Kritik Gespräch

Burger will mit Zollitsch reden

Freiburg.Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger plant nach Kritik an seinem Vorgänger Robert Zollitsch ein klärendes Gespräch über den Umgang mit Missbrauchsfällen. Burger beabsichtige ein Treffen mit Zollitsch, sagte eine Sprecherin der Erzdiözese gestern der Deutschen Presse-Agentur. Ziel sei es, in vertrauter Runde die Fragen zu besprechen. Einen Termin gebe es noch nicht. Burger hatte seinem Vorgänger in einem Interview des Südwestrundfunks (SWR) Vertuschung von Missbrauchsfällen vorgeworfen. Bereits im Oktober entschuldigte sich Burger öffentlich für das Verhalten seiner Vorgänger im Umgang mit Missbrauch in der katholischen Kirche, nannte jedoch keine Namen. Zudem räumte er weitere Fehler und Machtmissbrauch ein.

Burger (56) ist seit 2014 Erzbischof in Freiburg. Er löste damals den heute 80 Jahre alten Zollitsch ab. Dieser war zudem von 2008 bis Sommer 2014 Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Freiburg ist mit rund 1,9 Millionen Katholiken eine der größten Diözesen. Als Personalreferent der Erzdiözese und später als Erzbischof habe Zollitsch Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen und bei der Aufarbeitung begangen, sagte Burger in dem Interview. Dies seien Versäumnisse, die er als heutiger Erzbischof nicht rechtfertigen könne. Er wünsche sich, darüber mit Zollitsch in Ruhe zu sprechen. Dieser hat sich öffentlich nicht dazu geäußert.

Fälle im Ortenaukreis

Konkret geht es um Missbrauchsfälle in Oberharmersbach im Ortenaukreis. Dort waren mehrere Jugendliche den Angaben zufolge von 1968 bis Anfang der 1990er Jahre vom Gemeindepfarrer missbraucht worden. Zollitsch war damals Personalreferent der Erzdiözese und hatte somit Verantwortung für die eingesetzten Geistlichen. Detailliert aufgearbeitet worden sei der Fall nie, sagte Burger nun. Dies zeigten die Akten. Der Pfarrer war damals versetzt worden und hatte sich später umgebracht. Bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hatte ihn die Kirche den Angaben zufolge nicht. Eine im September 2018 von der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellte Studie hatte den massiven sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Kleriker in der Vergangenheit detailliert belegt. lsw