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Wissenschaft Standort Mainz bekommt zusätzliche Förderung von mehr als einer Million Euro

Byzanz-Forschung wird ausgebaut

Archivartikel

Mainz.Seit 566 Jahren ist das Byzantinische Reich untergegangen – die Erforschung dieser Kultur im östlichen Mittelmeerraum ist jedoch aktueller denn je. Zum besonderen Zentrum der Byzanz-Forschung hat sich Mainz entwickelt: Der Leibniz-Wissenschaftscampus zum Thema „Byzanz zwischen Orient und Okzident“ hat von der Leibniz-Gemeinschaft die Zusage erhalten, mit den Fördergeldern von mehr als 1,1 Millionen Euro seine Forschungen bis Mitte 2023 weiterzuführen und auszubauen.

Geschichte Europas geprägt

In dem 2011 gestarteten Forschungsverbund wirken das Leibniz-Forschungsmuseum Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM), die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, das Landesmuseum Mainz und das Rheinische Landesmuseum Trier zusammen. In der jetzt Mitte dieses Jahres beginnenden zweiten Förderphase kommt noch die Goethe-Universität Frankfurt zum gemeinsamen Wissenschaftscampus dazu.

Das Byzantinische Reich habe in seinem 1100-jährigen Bestehen die Geschichte Europas und des Nahen Ostens geprägt, erklärt die Sprecherin des Wissenschaftscampus und RGZM-Direktorin Alexandra Busch. In der orthodoxen Kirche wirke das byzantinische Vermächtnis bis heute. „Auch die Trennung des Mittelmeerraumes in eine christliche und eine muslimische Sphäre oder die Mechanismen nationaler Identitätskonstruktionen in Russland oder Serbien sind ohne Berücksichtigung von Byzanz nicht verständlich.“

Die Forscher wollen in den nächsten vier Jahren die vielfältigen kulturellen und historischen Verbindungen zwischen Europa und dem Nahen Osten in den Blick nehmen. Der üblichen Betonung von Unterschieden zwischen Ost und West, christlich und islamisch, wollen die Wissenschaftler Erkenntnisse zu einem gemeinsamen Kultur- und Kommunikationsraum entgegenstellen, wie der Wissenschaftscampus mitteilte.

Der Leibniz-Wissenschaftscampus Byzanz führe Archäologie, Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte, Theologie und Musikwissenschaft zusammen, erklärte Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) anlässlich der Förderzusage. „Gemeinsam entwickeln sie neue Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche und politische Herausforderungen.“

Am 16. Mai beginnt in Mainz eine internationale Fachkonferenz des Wissenschaftscampus über religiösen Austausch und Identitäten in Europa. Die Teilnehmer wollen über die Frage beraten, wie Vorstellungen von anderen Religionen entstanden und welche Rolle dies für die Entstehung einer eigenen Identität spielte.