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Wasserschutzpolizei Außenbordmotoren im Visier von kriminellen Banden / Abschreckung durch Gravuren

Codes sollen Sicherheit bringen

Wiesbaden/Mainz.Die Täter sind im Regelfall perfekt organisiert, oft handelt es sich um osteuropäische Banden. Sobald es Nacht wird, besorgen sie sich ein kleines Boot und nähern sich im Schutz der Dunkelheit den Sportbooten von der Wasserseite. Dann montieren sie die Außenbordmotoren ab und paddeln zur nächst gelegenen Trailerrampe. Größere Außenborder werden oft auf aufgepumpte Lkw-Reifen gelegt und dann schwimmend zur Rampe gezogen. Dort werden die erbeuteten Motoren in Transporter umgeladen und entweder direkt ins Ausland gefahren oder zuerst in einem Versteck deponiert. „Dann findet man seinen eigenen Motor plötzlich als Gebrauchtware in einem Online-Portal wieder“, ärgert sich ein Wiesbadener Hobbysegler, der die Tricks der Diebe kennt.

Schwerpunkt Rhein-Main-Gebiet

In diesem Jahr wurden bisher elf Außenbordmotoren im Gebiet der hessischen Wasserschutzpolizei gestohlen, wie die Ermittler aus dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel mitteilten. Ein Schwerpunkt der Diebstähle ist das Rhein-Main-Gebiet. Um international agierende Banden dingfest machen zu können, haben die Hessen eine zentrale Ermittlungsgruppe gebildet. Ziel dieser Einheit ist es, Erkenntnisse über die oft aus Osteuropa kommenden Täter zu sammeln und diese Informationen mit anderen Wasserschutzpolizei-Inspektionen zu teilen. Der Diebstahl von Außenbordern ist nämlich ein bundesweit auftretendes Problem.

In der Vergangenheit wurden in Hessen eher kleinmotorige Außenborder gestohlen, die laut Polizei ohne großen Aufwand demontiert und dann in Autos versteckt werden konnten. Aber auch größere Motoren mit bis zu 100 PS und einem Gewicht von 200 Kilogramm wurden vereinzelt entwendet, so die Wasserschutzpolizei weiter.

„Uns wurde vergangenes Jahr der Motor von unserem Vereinsschiff geklaut“, erzählt Klaus Helmdach, Vorsitzender des Automobil- und Wassersportclubs Oppenheim und Nierstein (Acon) auf der rheinland-pfälzischen Rhein-Seite.

Erstmals seit vier Jahren ist die Zahl der gestohlenen Motoren bundesweit gesunken, wie das Göppinger Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität der Polizei mitteilte. Demnach wurden 2017 1062 Außenborder entwendet, im Vorjahr waren es 1437. Dieser Rückgang hängt nach Einschätzung der Ermittler damit zusammen, dass Fahnder mehreren osteuropäischen Banden das Handwerk legen konnten. So wurden in Schleswig-Holstein eine polnische und in Berlin eine ukrainische Bande zerschlagen. In Baden-Württemberg machten die Ermittler in Zusammenarbeit mit der Schweiz eine bulgarische Gruppe dingfest.

Trotz des Rückgangs spricht die Polizei nicht von Entwarnung. Nach Auskunft des Kompetenz-Zentrums gab es bereits in den Jahren 2012 und 2013 einen deutlichen Rückgang bei Außenborder-Diebstählen, die dann aber in den folgenden Jahren wieder stark anstiegen. In Rheinland-Pfalz wurden der Wasserschutzpolizei zufolge seit 2016 landesweit 62 Außenborder geklaut. Die Behörde bietet Bootsbesitzern Gravieraktionen an, bei denen die Motoren und anderes Bootszubehör mit einer individuellen Nummer versehen werden. „Gravieren für mehr Sicherheit“ heißt das kostenlose Programm, das die Diebe abschrecken soll und zudem das Auffinden und die Zuordnung abhanden gekommener Geräte erleichtern soll.