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Finanzämter Baden-Württemberg verzeichnet Einnahmen in Rekordhöhe / Wachsender Anteil von automatisierten Verfahren

Computer prüft jeden neunten Steuerfall

Archivartikel

Stuttgart.Die Automatisierung macht Fortschritte in den Finanzämtern. Elf Prozent aller Steuererklärungen in Baden-Württemberg macht inzwischen der Computer im Alleingang, berichtet Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne). Die Digitalisierung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz helfen der Steuerverwaltung, die um knapp zwei Prozent gestiegene Zahl von Fällen ohne zusätzliches Personal zu bewältigen. Die Steuerzahler spüren von den Vorteilen wenig. Für sie lag im letzten Jahr die durchschnittliche Bearbeitungszeit ihrer Steuererklärung unverändert bei 49 Tagen. „Ich habe Verständnis für die Forderung, dass es schneller gehen sollte“, sagt Sitzmann. Aber eigentlich ist die Grünen-Politikerin zufrieden.

Aus dem Handgelenk schüttelt Sitzmann die Rekordzahlen der Finanzämter im letzten Jahr. 81,9 Milliarden Euro Steuern wurden eingenommen, mehr als jemals davor. Knapp die Hälfte bleibt dem Landeshaushalt, der Rest geht an die Bundeskasse. Mit einer Wiederholung des Zuwachses um 5,2 Prozent sei im laufenden Jahr nicht zu rechnen, betont sie und verweist auf die nachlassende Konjunktur. Immerhin: „Eine solide steuerliche Basis“ erwartet sie trotzdem. Erneut mahnt sie ihre Ressortkollegen, ihre Ausgabenwünsche zu überdenken. Man habe ja gemeinsam für die Mehrausgaben bei 1,15 Milliarden Euro eine Obergrenze gezogen, angemeldet seien bei ihr aber Wünsche, die sich auf 4,8 Milliarden Euro summieren.

Wenig Vorteile für die Bürger

Weniger flüssig antwortet Sitzmann auf die Frage, was die Bürger von der ganzen Digitalisierung haben. Die sollen ihre Steuererklärung am Computer erstellen und über das offizielle Programm Elster einreichen. Damit ersparen inzwischen zwei Drittel aller Steuerzahler ihrem Finanzamt die Erfassung der Daten und schaffen die Basis für eine immer stärker automatisierte Bearbeitung. Auf Papier dauere die Bearbeitung zwei Tage länger, erklärt die Ministerin. Der größere Vorteil sei, dass man ab dem zweiten Jahr nur noch die Zahlen eingeben müsse, die sich zum Vorjahr ändern. Als „ganz großes Plus“ nennt Oberfinanzpräsidentin Andrea Heck den Abgleich zwischen dem Bescheid und den eigenen Angaben. Vor einfachen Steuer-Apps warnt sie: „Die Fälle sind oft so komplex, dass einfache Fragen in einer App nicht reichen.“

Über den internen Austausch will Heck dem Problem beikommen, dass die Bürger je nach Finanzamt zwischen 35 und 68 Tage auf ihren Steuerbescheid warten müssen. Offiziell führt die Verwaltungschefin den großen Unterschied auf Krankenstand, Elternzeit und Verrentung zurück. Noch im Versuchsstadium sei die Verschiebung der Arbeit zwischen den Finanzämtern. Das soll schrittweise ausgebaut werden. Gleichzeitig lässt Heck auch untersuchen, ob es Unterschiede in der Arbeitsweise gibt und wer von den Besten lernen kann.

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