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Wohngesellschaft Die landeseigene Nassauische Heimstätte verzichtet derzeit auf Räumungen und ist flexibel bei Mietrückständen

Corona soll Bau nicht stoppen

Archivartikel

Wiesbaden.Die Corona-Krise macht sich zwar auch auf dem Mietmarkt bemerkbar. Zumindest Hessens größte Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte will sich von der Pandemie aber nicht bremsen lassen. Der überwiegend dem Land Hessen gehörende Konzern hält an seinen beiden Hauptzielen fest: den Wohnungsbestand um rund ein Viertel von 60 000 auf 75 000 zu erhöhen und ihn zudem bis zum Jahr 2050 durch Modernisierung und Energiesparmaßnahmen klimaneutral zu machen.

Den Mangel an bezahlbarem Wohnraum vor allem in den Ballungsgebieten wird auch die Nassauische Heimstätte nicht allein beseitigen können, obwohl sie zu den zehn größten Wohnungsbaugesellschaften in Deutschland zählt. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), der dem Aufsichtsrat des Unternehmens vorsteht, verspricht sich von ihren derzeit 3150 in Planung oder Bau befindlichen Wohnungen aber zumindest einen spürbaren Beitrag zur Linderung des Problems in Hessen. Zusammen mit den drei Geschäftsführern des Frankfurter Konzerns stellte er am Donnerstag in seinem Wiesbadener Ministerium dessen Bilanz vor. Und die fällt für das vergangene Jahr mit einem Jahresüberschuss von 50,8 Millionen Euro „sehr erfreulich“ aus, wie der leitende Geschäftsführer Thomas Hain betont. Schließlich liege die Summe damit um 16,7 Millionen über dem Planwert. Und das Unternehmen werde auch auf Wachstumskurs bleiben, versichert er. Daran soll auch das Coronavirus nichts ändern, obwohl es und seine Folgen auch Mieter der Nassauischen Heimstätte in finanzielle Schwierigkeiten gebracht haben. Ihnen wurde bei Bedarf die Miete gestundet oder Ratenzahlung angeboten. Das Ausfallrisiko wird aber auf lediglich etwa 180 000 Euro eingeschätzt. Und das ist laut Hain bei einem Umsatz von 260 Millionen „keine Größenordnung, die uns Sorge bereiten muss“.

Mieterhöhungen verschoben

Die Nassauische Heimstätte Wohnstadt, wie der Konzern jetzt vollständig heißt, stehe Mietern bei möglichen Einkommensausfällen zur Seite und verzichte auf Kündigungen oder gar Räumungen. Alle noch nicht ausgesprochenen Mieterhöhungen wurden auf das erste Quartal 2021 verschoben. „Niemand muss wegen Corona um sein Zuhause fürchten oder sein Geschäft aufgeben“, versichert der fürs Immobilienmanagement zuständige Geschäftsführer Constantin Westphal auch mit Blick auf gewerbliche Mieter. Was die Mitarbeiter der Nassauischen Heimstätte selbst angeht, nahmen den Angaben zufolge mehr als 75 Prozent die Möglichkeit in Anspruch, mit dem Laptop von zu Hause aus zu arbeiten.

Al-Wazir, der auch für das Wohnungswesen zuständig ist, ist froh, mit der Nassauischen Heimstätte einen Konzern zu haben, mit dem das Land selbst auf den angespannten Markt einwirken kann. Sie könne „mit ihrer sehr sozialen Geschäftspolitik ein Gegengewicht zum allgemeinen Trend am Wohnungsmarkt bilden“, hebt der Grünen-Politiker hervor. So sind Mieterhöhungen für Gering- und Normalverdiener auf ein Prozent pro Jahr begrenzt. Das kann auch zulasten der Dividende gehen, denn der Überschuss wird ganz planmäßig in diesem Jahr geringer ausfallen als 2019.

Unterstützung für Gesellschaft

Mit ihrer in den letzten Jahren deutlich intensivierten Bautätigkeit leiste die Nassauische Heimstätte nicht nur einen Beitrag gegen den Wohnungsmangel, sondern auch dazu, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu mildern. Deshalb will ihr Al-Wazir aus dem Corona-Sondervermögen des Landes auch eine weitere Kapitalerhöhung von 200 Millionen Euro sichern, die es dem Unternehmen erlaubt, noch leichter an Kredite zu kommen. Mit denen sollen neben Neubau vor allem Investitionen in Modernisierung, Energiesparen und Klimaschutz finanziert werden. Damit könne bei einem absehbaren Rückgang im Gewerbebereich die Bauwirtschaft am Leben gehalten werden, hält Al-Wazir denjenigen entgegen, die fragen, was denn Energiesparen mit Corona zu tun habe.