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Wissenschaft Gleich mehrere Förderprogramme helfen Frauen mit Geld und Training bei der Hochschulkarriere

Dank Mentorin zur Professorin

Archivartikel

Stuttgart.„Traumberuf Professorin“ nennt sich ein Förderprogramm, das sieben Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) in Baden-Württemberg aufgelegt haben, um mehr Frauen an die Spitze der akademischen Karriereleiter zu bringen. „Es besteht hoher Bedarf und großes Interesse“, sagt Sissi Closs von der Hochschule Karlsruhe, die gleichzeitig Leiterin des Förderprojekts ist. Closs ist optimistisch, dass ab 2021 das Programm auf alle HAWs ausgedehnt wird.

Parallel hat Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) gerade die 18. Ausschreibung des „Margarete von Wrangell-Programms“ gestartet, um exzellenten Wissenschaftlerinnen den Weg zur Professur an Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und Kunsthochschulen zu ebnen. „Wir brauchen den Scharfsinn, die Kreativität und Tatkraft aller klugen Köpfe“, sagt die Ministerin. Das Land könne es sich „nicht leisten, dass der Frauenanteil mit jedem Schritt auf der wissenschaftlichen Karriereleiter abnimmt, obwohl heute rund die Hälfte der Studierenden weiblich ist“.

Ganz oben in der Hochschullandschaft rangieren die Professoren. Nur 22,2 Prozent von ihnen waren nach der Erhebung des Statistischen Landesamtes 2018 weiblich. Neuere Zahlen kann die Behörde nicht liefern. Bei den Habilitationen, der höchsten akademischen Prüfung und dem zentralen Baustein in der Qualifikation eines Universitätsprofessors, gab es dagegen im vergangenen Jahr einen Sprung beim Frauenanteil um zehn Prozentpunkte. 2019 waren von den 265 Habilitierten 99 oder 37,5 Prozent weiblich. Im Jahr davor lag diese Quote nur bei 27,3 Prozent.

Frauenanteil bei 20 Prozent

Die praxisorientierten HAW verlangen von ihren Professoren eine Promotion und fünf Jahre Berufserfahrungen. Nur 19,1 Prozent der Stellen sind in dieser Hochschulart von Frauen besetzt, in der stark ingenieurlastigen Hochschule Karlsruhe liegt die Frauenquote sogar nur bei zwölf Prozent, berichtet Closs. Entsprechend groß sieht sie den Nachholbedarf durch das Mentoring-Programm. Erfahrene Professorinnen bilden dabei Tandems mit den teilnehmenden Frauen. Gemeinsam werden Ziele formuliert, wissenschaftliche Fragen diskutiert und individuelle Kompetenzen analysiert. Die Mentorinnen stellen ihr Kontakte-Netzwerk zur Verfügung.

In den ersten beiden Runden nach dem Start 2017 haben 60 Teilnehmerinnen das Programm absolviert. Acht von ihnen haben bisher einen Ruf an eine HAW erhalten. Angesichts der erst kurzen Laufzeit ist Closs mit der Erfolgsquote von 13 Prozent mehr als zufrieden. „Das funktioniert sehr gut“, findet die Projektleiterin. Von Runde zu Runde sei das Interesse gestiegen, von 25 Frauen beim Start über 35 auf 41 in der aktuell laufenden dritten Förderrunde. Zur 2021 anstehenden Verlängerung gibt es trotzdem aus dem Ministerium keine Zusage. Es sei unklar, welche Zuschüsse aus dem Europäischen Sozialfonds ESF kämen.

Auch für die beteiligten Hochschulen lohnt sich nach Ansicht von Closs das Engagement. Denn die Teilnehmerinnen seien bereit, Lehraufträge anzunehmen, um Schritt für Schritt sich dem „Traumberuf Professorin“ anzunähern. Neben Karlsruhe gehören die Hochschulen Mannheim und Konstanz zu den sieben teilnehmenden HAW.

Der zuletzt stark gestiegene Frauenanteil unter den Habilitierten löst im Wissenschaftsministerium nur wenig Jubel aus. Ein Sprecher verweist darauf, dass die Zahlen starken Schwankungen unterliegen und 2015 die Quote schon einmal ähnlich hoch war.

Das Statistsche Landesamt hat in einer älteren Untersuchung den Frauenanteil bei den Habilitationen für die verschiedenen Fachrichtungen analysiert. In den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften war die Mehrheit der Habilitieren weiblich. Dagegen stellten die Männer in den Ingenieurfächern 18 von insgesamt 20 Habilitierten. Trotzdem macht Bauer beim „Margarete von Wrangell-Programm“ keine Vorgaben. Bewerben für eine Habilitationsstelle können sich Wissenschaftlerinnen aller Fachrichtungen. Vier Millionen Euro kostet das Programm jedes Jahr.

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