Länder

Religion Michael Pauken legte sein katholisches Priesteramt nieder, um zu heiraten / Bischofskonferenz diskutiert über Zölibat

Das Warten auf den einen Tag

Kell am See.Dreieinhalb Jahre ist es her, dass Michael Pauken sein Amt als Priester aufgegeben hat. Weil er sich in eine Frau verliebt hat. Heute ist er mit ihr standesamtlich verheiratet, hat eine Tochter - und leitet ein Seniorenheim in Kell am See im Kreis Trier-Saarburg. Den Schritt, seinen Posten im Bistum Trier aufzugeben, habe er nie bereut. „Ich weiß, es war richtig.“ Auch, wenn er sich seine Entscheidung, als er noch der Pfarreiengemeinschaft Oberthal-Namborn im Saarland vorstand, nicht leicht gemacht hat.

Er habe damals „praktisch nur noch für den Beruf gelebt“ und sich allein gefühlt. „Es fehlte die Mitte.“ Die Beziehung mit Claudia habe sich langsam entwickelt - und irgendwann war Pauken klar, dass sein Lebensweg nicht am Altar weitergehen konnte, weil katholische Priester zur Ehelosigkeit verpflichtet sind. „Ohne den Zölibat wäre ich Pfarrer geblieben.“ Pauken ist überzeugt: „Beides würde sich nicht behindern.“

Fallzahlen gleichbleibend

Längst ist er aber in seinem neuen Job als Leiter eines Seniorenheims des Deutschen Roten Kreuzes mit gut 80 Plätzen und 75 Mitarbeitern angekommen. Dabei kam ihm zugute, dass er vor seiner Priesterweihe Krankenpfleger war. Er bringe quasi alles ein, was er vorher erlernt habe. „Auch, was ich als Pfarrer an Fingerspitzengefühl gelernt habe, kann ich hier gut gebrauchen.“

Pauken ist einer von sieben Priestern, die seit 2014 im Bistum Trier ihr Amt wegen des Zölibats aufgegeben haben. „Lebensentwürfe können scheitern, das ist auch bei Priestern so“, sagt Bistumssprecherin Judith Rupp. Auch wenn jeder Weggang eines Priesters bedauerlich sei, „respektieren wir die Entscheidung“. Die Zahl der Fälle sei in den vergangenen Jahrzehnten nicht gestiegen.

Wenn ein Priester sich entscheide, den Dienst aufzugeben, ende damit der Anspruch auf Besoldung. Das Bistum versichere den Priester für die Zeit seiner Tätigkeit in der Rentenversicherung nach. Im ersten Jahr nach dem Ausscheiden zahle das Bistum Beträge analog zu Arbeitslosengeld I.

Derweil haben im Bistum Mainz seit 2014 drei Geistliche ihr Amt aufgegeben, wie die Diözese mitteilt - im Vergleich zum Fünf-Jahres-Zeitraum zuvor keine Zunahme. „Dass Priester ihr Amt aufgeben, hat es immer gegeben“, sagt Bistumssprecher Tobias Blum. „Allerdings muss man darauf hinweisen, dass der Zölibat nicht der einzige Grund dafür ist.“

Wunsch zu predigen

Nach Angaben der Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen befinden sich die Männer bei der Aufgabe ihres Amtes stets in einer „existenziellen Situation“, sagt Vorsitzender Hans-Jörg Witter in Oberhausen. Nicht jeder habe einen Beruf gelernt. Und: Je älter man sei, desto schwieriger. Zur Vereinigung gehören etwa 170 ehemalige Priester und deren Frauen.

Die Diskussion um den Zölibat wurde jüngst auch bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz wieder angefacht. Ihr Vorsitzender Reinhard Marx sagte, es müsse die Frage erlaubt sein, ob verheiratete Priester in der katholischen Kirche die Ausnahme bleiben müssten. Bei der Sexualmoral gebe es „einen außerordentlichen Gesprächsbedarf“.

Pauken gibt sich hoffnungsvoll, dass der Zölibat irgendwann „fallen“ wird: „Das ist so ein bisschen wie mit der Berliner Mauer: Die Frage ist nur, wann kommt der Tag?.“ Ohne den Zölibat hätte die katholische Kirche mehr Priester: „Wenn ich alle Frauen ausschließe und dann noch alle Männer, die nicht alleine leben wollen, bleiben nicht mehr viele übrig.“ Der Zölibat sei „keine Hilfe mehr, wie es eigentlich sein sollte, sondern ein Riesenproblem,“.

Kirchlich heiraten durfte Pauken nicht. „Dafür hätte ich die Laisierung (die offizielle Entbindung eines Priesters von seinem Priesteramt/Anm. d. Red.) beantragen müssen, das habe ich nicht gemacht.“ Warum nicht? Weil Pauken noch Hoffnung hat, dass irgendwann auch verheiratete katholische Priester zugelassen würden. „Ich warte auf den Tag, dass es keinen Zölibat mehr gibt. Dann würde ich gerne neben meinem jetzigen Beruf aushelfen, mal am Wochenende einen Gottesdienst halten und als richtiger Priester Sakramente spenden.“