Länder

Ausstellung Haus der Geschichte schlägt Bogen von Weimarer Republik zur aktuellen politischen Lage

Demokratie – 1918 bis heute

Archivartikel

Stuttgart.Im Südwesten geht es unspektakulär zu, als der König gehen muss. Eine der Kutschen, die nach der Abdankung des württembergischen Königs Wilhelm II. nicht mehr gebraucht werden, kauft 1919 ein Bauer aus dem Hohenlohekreis. Die steht nun ein Jahr lang im Foyer des Hauses der Geschichte in Stuttgart und soll die Besucher in die große Landesausstellung „Der Anfang der Demokratie im Südwesten“ locken. Als vor genau 100 Jahren der Erste Weltkrieg zu Ende geht, fallen die alten Monarchien wie Kartenhäuser zusammen, auch in den noch getrennten Ländern Baden, Württemberg und Hohenzollern. Museumsleiter Thomas Schnabel zieht eine Linie von der damaligen Vertrauenskrise zu heute: „Uns geht es blendend. Und trotzdem hat die AfD in Baden-Württemberg 15 Prozent. Wenn das keine Krise ist.“

Mit der Weimar-Ausstellung betritt das Haus der Geschichte Neuland. So eng wie noch nie wird die Historie mit der Gegenwart verknüpft. Großfotos von Menschen aus der damaligen Zeit bilden den Rahmen für sechs Stationen, die jeweils historische Exponate zeigen und gleichzeitig zur Auseinandersetzung mit der aktuellen Demokratie animieren. In Filminterviews geben Politiker, Experten, aber auch einfache Bürger Antworten auf aktuelle Probleme. Im Forum „Teilhabe“ beispielsweise können die Besucher über mögliche demokratische Formen in der Zukunft abstimmen. Sollen Menschen ohne deutschen Pass wählen dürfen, ist eine der Fragen.

Historische Leistungen

Unter den 250 ausgestellten Objekten und Dokumenten gibt es nur wenige spektakuläre Ausstellungsstücke. Da ist zum Beispiel das „Einspurfahrzeug“, eine Art Motorrad mit offener Karosserie und Stützrädern. Mit solchen Ersatzprodukten sichert der vormalige Waffenhersteller Mauser in Oberndorf in den 1920er Jahren immerhin 2000 Arbeitsplätze. Für Schnabel ist es eine der herausragenden Leistungen der Weimarer Republik, dass innerhalb kürzester Zeit Millionen von Kriegsheimkehrern wieder in Arbeit und Brot kamen. Für den Historiker zählt das zu den „großartigen Leistungen dieser ersten Demokratie auf deutschem Boden“. Schnabel: „Die Republik von Weimar hat Krisen gemeistert, die der Bundesrepublik bisher erspart geblieben sind.“ Lösungen für die politischen Probleme biete die Geschichte nicht, aber die Erfahrungen seien nicht zu vernachlässigen.

Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger setzt bewusst auf die Verknüpfung von Geschichte und Gegenwart. „Die Vorstellung vom Museum als einem Ort, an dem aktuelle politische Diskussionen geführt werden, setzt sich immer mehr durch“, erklärt sie. Auch deshalb geht die offizielle Eröffnungsfeier an diesem Sonntag im Landtag über die Bühne. Das neue Konzept soll auch dafür sorgen, dass wieder mehr Schulklassen in das Museum der Landesgeschichte kommen.