Länder

Geschichte Taugt der „Wüstenfuchs“ als Vorbild? / In seiner Heimatstadt Aalen formiert sich Widerstand / Straße soll umbenannt werden

„Der Mythos um Rommel wankt“

Ulm.Vor dem 75. Todestag von Erwin Rommel am 14. Oktober ist in dessen schwäbischer Heimatregion eine Debatte über die Vorbildfunktion des einstigen Generalfeldmarschalls der Wehrmacht entflammt. Gewerkschafter, die Partei Die Linke und der Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ fordern die Umbenennung der Erwin-Rommel-Straße in Aalen.„In einer Demokratie sollte es selbstverständlich sein, Nationalsozialisten und ihre Profiteure, zu denen Rommel schon aufgrund seiner herausragenden Funktion gehörte, in keiner Weise zu ehren“, heißt es dazu in einer Erklärung des Vereins. Rommel ist in Aalen, rund 70 Kilometer östlich von Stuttgart, aufgewachsen.

Der Gemeinderat will nach öffentlichen Diskussionsveranstaltungen über einen Antrag entscheiden, die dortige Rommel-Straße künftig nach dessen 2013 gestorbenem Sohn zu benennen. Manfred Rommel war als CDU-Bürgermeister Stuttgarts hoch angesehen.

In Erwin Rommels Geburtsstadt Heidenheim an der Brenz prüft der Gemeinderat derweil, ob das 1961 vom Verein „Deutsches Afrikakorps“ für den „Wüstenfuchs“ errichtete Denkmal verändert werden sollte. Oberbürgermeister Bernhard Ilg (CDU) unterstützt nach eigenen Angaben einen Vorschlag, davor eine Skulptur aufzustellen, die an Opfer von Landminen erinnert. Rommel hatte einst in Nordafrika unzählige Minen vergraben lassen.

Kasernen-Name bleibt

Bundesweit sind laut einer Zählung der „Stuttgarter Zeitung“ noch 13 Straßen und eine Steige nach Rommel benannt, davon neun im Südwesten. Eine Umbenennung der Rommel-Kaserne in Dornstadt bei Ulm ist hingegen nicht vorgesehen, wie eine Sprecherin des Bundesministeriums der Verteidigung mitteilte. Für die Bundeswehr sei Rommel unter anderem aufgrund einer gewissen Nähe zum militärischen Widerstand gegen Hitler weiter „sinn- und traditionsstiftend“.

Das liest sich in einem Sachstandsbericht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages zur Rommel-Debatte vom Februar 2019 anders: Es bleibe festzustellen, „dass sich seine Rolle im Widerstand auch nach neuesten Forschungen rund um das Netzwerk des 20. Juli auf eine mögliche Mitwisserschaft beschränkt“, heißt es da. Dem Verteidigungsministerium scheine allein dies schon für eine „Traditionswürdigkeit“ auszureichen. „Denn irgendein aktives widerständisches Verhalten konnte für Rommel bis heute von der historischen Forschung nicht belegt werden“, heißt es in dem Bericht weiter.

„Der Mythos um Rommel wankt“, konstatiert der Autor Stefan Jehle in einem von der Landeszentrale für politische Bildung veröffentlichten Beitrag. Rommel sei vor allem, meint Jehle, ein „willfähriges Werkzeug in einem lange geplanten Vernichtungsfeldzug der Nationalsozialisten“ gewesen. lsw

Zum Thema