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Wein Vor 585 Jahren wurde die Weinsorte zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt / Heute Probleme wegen Klimawandel

Der Riesling feiert Geburtstag

Archivartikel

Hochheim/Langenlonsheim.Geburtstagsfeier für den Riesling: Die Rebsorte, die wie keine andere als Inbegriff für deutschen Weißwein steht, wurde am 13. März 1435 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, also an diesem Freitag vor 585 Jahren. Nicht nur in Deutschland wird dieser Tag als Riesling-Geburtstag gefeiert. Auch in Norwegen, Finnland, Polen, Russland, den USA oder Kanada gibt es zu diesem Anlass spezielle Verkostungen von Riesling-Weinen.

Die erste bekannte Erwähnung befindet sich in einer Kellereiabrechnung, die sich heute im Hessischen Staatsarchiv in Marburg befindet. Darin hielt der Rüsselsheimer Amtmann Klaus Kleinfisch in der Grafschaft Katzenelnbogen die Ausgabe von 22 Schillingen für „seczreben riißlingen“, also Riesling-Setzreben, fest. Im 15. Jahrhundert gab es dort Weinberge.

Eng verwandt mit Wildreben

Rechnungsbücher aus dem 18. Jahrhundert hat auch noch das Weingut Tesch in Langenlonsheim an der Nahe, das bis heute ganz auf Riesling-Weine setzt. Inzwischen in der 10. Familiengeneration hat Winzer Martin Tesch den Riesling-Anteil sogar noch auf mehr als 90 Prozent gesteigert – bei seinem Vater waren es noch 70 bis 80 Prozent.

Mit der vor 20 Jahren entwickelten Marke „Riesling Unplugged“ setzte der Winzer bewusst auf handwerkliche Fähigkeiten und markant trockene, vollständig durchgegorene Weine. Mit dem Verzicht auf holzige Noten etwa bei einem Ausbau im Eichenfass lädt Tesch dazu ein, im Wein hinzuschmecken, wie sich in einem Jahrgang das Wetter entwickelt hat und wie der Boden einer bestimmten Lage das Aroma beeinflusst. So hat der Riesling der Lage Löhrer Berg mit seinem lehmigen Kiesboden einen anderen Charakter als der Laubenheimer Karthäuser auf verwittertem roten Sandstein.

„Der Riesling bildet den Weinberg so gut ab wie keine andere Traube“, erklärt Tesch. „Riesling ist nicht easy drinking, Riesling hat Rückgrat und Schliff.“

Wie keine andere Rebsorte bestimme der Riesling das weltweite Image des deutschen Weins, erklärt das Deutsche Weininstitut. Die frühe Verbreitung des Rieslings, der Wuchs, die Größe der Beeren, die lange Reifezeit und Frostfestigkeit zeigten, dass der Riesling noch recht nah verwandt mit Wildreben sei.

Traube mag es eher kühl

Neben dem Rheingau gibt es auch an der Mosel Belege für den Riesling-Anbau im 15. Jahrhundert. Die frühesten Hinweise für die Verbreitung im heutigen Rheinhessen und der Pfalz stammen aus dem späten 15. und dem frühen 16. Jahrhundert.

Allerdings könnten die Riesling-Reben Probleme bekommen, wenn der Klimawandel voranschreitet. „Das Besondere am Riesling ist, dass er sich im Unterschied zu mediterranen Rebsorten schon bei eher niedrigen Temperaturen gut entwickelt“, erklärt Tesch. In früheren Generationen habe es beim Lesezeitpunkt kein „zu spät“ gegeben. „Heute gibt es einen zu frühen, einen richtigen und einen zu späten Lesezeitpunkt.“ Bleiben die Trauben zu lange hängen, entstehen leicht Weine mit etwa 14 Prozent Volumenalkohol – „das darf nicht passieren, dann ist der Wein zu mächtig und verliert seinen Riesling-Charakter“.

Auch bei der Anlage der Weinberge hat sich Tesch an die höheren Temperaturen angepasst. Er gestaltet gerade einen Südosthang neu, in dem die Rebzeilen bisher auf die maximale Reife ausgerichtet waren und schon die Morgensonne voll mitnehmen konnten. „Wir gehen jetzt in die andere Richtung“. Außerdem ermöglicht eine gezielte Gestaltung der Laubwände eine bessere Beschattung, um die Trauben in heißen Sommern vor zu knalliger Sonne zu schützen.

Schließlich setzt der Winzer auch auf eine Abkehr von der Monokultur im Weinberg und auf die Bepflanzung des Bodens zwischen den Rebzeilen mit Wildkräutern und Leguminosen, Hülsenfruchtpflanzen, die für ausgeglichene Nährstoffe im Boden sorgen. Tesch ist überzeugt: „Die Zukunft der Landwirtschaft wird keine Monokultur mehr sein.“

„Ich denke, wir bekommen das hin mit der Anpassung des Rieslings an andere Bedingungen“, sagt der Winzer. “ dpa