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Luftverkehr Betreiber in Frankfurt verzichten auf manche Mitteilungen im Terminalbereich / Ansagen zum Teil per Knopfdruck ausgelöst

Der Rufer auf dem Flughafen

Archivartikel

Frankfurt.Beim Geräuschpegel von Hunderten Menschen mit Rollkoffern, telefonierenden Flughafenangestellten und dem allgemeinen Grundrauschen der Terminalhallen erschließt sich nicht gleich, weshalb der Frankfurter Airport ein stiller Flughafen sein soll. Dennoch sei im Vergleich zu früheren Zeiten mehr Stille angesagt, versichert Dennis Wildhirt, Leiter des Bereichs Terminalservices beim Flughafenbetreiber Fraport. Im öffentlichen Terminalbereich verzichte der Flughafen mittlerweile auf Flugausrufe, mit denen das Boarding angekündigt wird.

„Wenn jemand zu diesem Zeitpunkt vor der Sicherheitskontrolle einkauft, schafft er es meist eh nicht mehr“, meint Wildhirt. Noch wichtiger: „Bei Dauerbeschallung hört bei den wirklich wichtigen Durchsagen keiner mehr hin“, begründet Wildhirt den Schritt zum „stillen“ Flughafen, der auch international an den großen Luftverkehrs-Drehkreuzen zunehmend eingeschlagen werde. Wichtige Ansagen gebe es dann, wenn Bereiche wegen eines verdächtigen Gegenstands abgesperrt werden oder das Wetter den Flugplan durcheinanderwirbelt.

Den „Boarding Call“, den Aufruf, dass die Fluggäste in das Flugzeug steigen dürfen, können nunmehr die Fluggesellschaften selbstständig auslösen, wenn sie das Gate öffnen. „Zwei Stück pro Flug“, sagt Wildhirt. Auch am Abflugterminal soll der Geräuschpegel schließlich überschaubar bleiben. Diese Durchsagen sind bereits hinterlegt, wenn die Mitarbeiter das Einsteigen der Passagiere vorbereiten. Per Knopfdruck können der allgemeine und der letzte Aufruf ausgelöst werden.

Unterstützung aus dem Tonstudio

Doch keine Ausnahme ohne Regel – notfalls können auch weiterhin Passagiere von den Mitarbeitern des Flughafens ausgerufen werden. Etwa, wenn ein Passagier Brieftasche und Ausweis liegengelassen hat. Auch kurzfristige Gatewechsel bleiben eine Extra-Durchsage wert.

Solche namentlichen Durchsagen sprechen Fraport-Mitarbeiter wie zum Beispiel Thomas Bach von ihrem Arbeitsplatz in der Integrierten Leitstelle ins Mikrofon. Auch die deutschen Muttersprachler können das in der Regel problemlos in den übrigen Standardsprachen Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. „Wenn man sich mal verhaspelt, macht das nichts“, sagt Bach, der seit etwa 20 Jahren am Flughafen arbeitet. Denn die Durchsagen gehen nicht live über den Lautsprecher, sondern werden im Tonstudio noch einmal überprüft. Notfalls gibt es eine neue Version. Im Tonstudio sind auch Tondateien mit den wichtigsten Durchsagen im Rechner gespeichert. „Wir haben 17 Sprachen, die vom System her hinterlegt sind“, sagt Wildhirt. Dazu gehören auch Arabisch, Hindi oder Portugiesisch.

Viele Dateinamen sind selbsterklärend, wenn es etwa um wetterbedingte Verspätungen oder um Gatewechsel geht. Aber wieso trägt eine Datei den Namen James Bond? „Das ist die Durchsage: Lassen Sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt. Die wurde nämlich in der deutschen Version vom Synchronsprecher von James Bond eingesprochen“, sagt Wildhirt. Dabei handelt es sich um Dietmar Wunder, der Daniel Craig synchronisiert. Wenn sich etwa Fluggast und Abholer nicht finden oder ein Kind im Trubel verloren gegangen ist, ist unter Umständen auch eine Namensdurchsage auf Chinesisch oder Urdu nötig. „Bei den exotischeren Sprachen muss man dann eben sehen, wer gerade Dienst hat“, sagt Wildhirt. „Es gibt ja viele Kollegen mit Sprachen, die nicht so üblich sind, die dann helfen.“

Sprachliche Herausforderung

Mit den Standardsprachen dagegen weiß sich auch Bach meist ohne Probleme zu helfen – auch wenn er zugeben muss, dass einige Sprachen Herausforderungen mit sich bringen. „Gerade die Durchsagen aus dem osteuropäischen Bereich“, sagt er. Und auch der Ausruf manches spanischen Passagiers stelle Herausforderungen an seine Atemtechnik: „Die haben manchmal acht oder neun Vornamen.“

Ehe Bach und seine Kollegen zum ersten Mal am Mikrofon Platz nahmen, gab es Stimmtraining mit einer Schauspielerin. Auch auf eine möglichst deutliche Aussprache und ein möglichst klares Deutsch wird Wert gelegt. Allerdings hält Wildhirt eine kleine Dialektfärbung für kein Ausschlusskriterium: „So was lebt ja immer auch vom Menschen und muss nicht unisono gleich sein“, sagt er.