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Bildung Kinder müssen gefährliche Kreuzung an der Frankfurter Miquelallee überqueren / Elterninitiative fordert Fußgängerbrücke

Der Schulweg kurz vor der Autobahn

Archivartikel

Frankfurt.Achtspurig rauscht der Verkehr an der Frankfurter Miquelallee entlang. Das Gewirr aus Bus-, Abbiege- und Fahrradspuren ist selbst für Erwachsene schwer überschaubar. Fußgänger schaffen es in einer Grünphase gerade mal auf die schmale Verkehrsinsel in der Mitte der Fahrbahnen. Nur wenige hundert Meter weiter wird die Straße zur Autobahn, die blauen Schilder sind bereits in Sicht.

„Dass hier künftig Kinder entlanglaufen sollen, ist ja wohl absurd“, sagt der Vater Lorenz Gempper. Er setzt sich mit anderen Eltern aus dem West- und Nordend für einen sicheren Schulweg ein. Denn ab dem kommenden Schuljahr soll neben der Miquelallee der neue Schulcampus Westend seinen Betrieb aufnehmen. Schüler der für den Umbau ausgelagerten Holzhausen-Grundschule und des Adorno-Gymnasiums sollen dann ihren Weg dorthin finden. Mehrere hundert Kinder seien es, meint Gempper.

Die Stadt Frankfurt hat nach eigenen Angaben einen alternativen Schulweg vorgeschlagen, der die kritische Kreuzung Miquelallee/Hansaallee direkt vor der Schule umgeht. Da die Alternative aber einen Umweg von rund einer Viertelstunde bedeute, halten Gempper und seine Mitstreiter diese Lösung für lebensfremd. Sie fordern deutliche Eingriffe in die Verkehrsführung: Veränderte Ampelphasen, eine breitere Insel, möglicherweise eine andere Abbiegeregelung und am liebsten eine Fußgängerbrücke über die Miquelallee. Kinder als Verkehrsteilnehmer brauchen aus Sicht von Barbara Mühlfeld, Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Hessen, mehr Platz und mehr Sicherheit. Unter anderem wünscht sie sich längere Grünphasen an Ampeln, generell Tempo 30 in der Innenstadt und mehr Parkdisziplin. „Man kann den Kindern noch so viele sichere Wege zeigen und wenn dann ein Laster in zweiter Reihe steht müssen sie doch auf die Straße.“ Statt den Verkehr zu entzerren steigere sich jedoch dessen Dichte und damit die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer: „Die Kinder sind das schwächste Glied.“ Aufgrund ihrer Gehirnentwicklung fehlten ihnen oft der Überblick und der Sinn für Gefahren. Da brauche es gute Planung und viel Vorsicht bei den anderen Verkehrsteilnehmern.

Lösung vor den Ferien

Trotzdem spricht sich die Ärztin klar für einen Schulweg zu Fuß oder ab einem gewissen Alter per Rad aus. „Wir sprechen viel über Bewegungsmangel bei Kindern, der Schulweg steuert da entgegen.“ Zudem ist der selbst bewältigte Schulweg sicherer als das Elterntaxi, was Zahlen der Unfallkasse Hessen belegen. Denn am häufigsten verunglückten Kinder auf dem Weg zur Schule als Beifahrer im Auto ihrer Eltern.

Im Falle der Miquelallee will sich die Stadt nun mit den Eltern und der Schulleitung zusammensetzen. Bei einem Termin mit Verantwortlichen von verschiedenen Ämtern soll noch vor den Sommerferien eine Lösung gefunden werden, sagen Eltern und Stadt.