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Reisen 10 000 Bodenmarkierungen am Frankfurter Flughafen weisen auf Abstand hin / Spezielle Sicherheitskontrollen

Desinfektionstuch statt Bonbon

Archivartikel

Frankfurt.Bord- und Flughafenservice in Coronazeiten sieht derzeit anders aus als vor der Corona-Pandemie – etwa wenn Mitarbeiter des Flughafens Frankfurt mit einer Box und einer großen Pinzette vor den Reisenden stehen. Früher war das das Signal, dass es gleich ein heißes Handtuch gibt, als willkommene Entspannung vor dem Flug. Jetzt gibt es eine Mund-Nasen-Maske, falls denn bis zu diesem Zeitpunkt tatsächlich jemand die Pflicht zur Bedeckung von Mund und Nase im Flughafenterminal ignoriert haben sollte.

Dabei sind die Abstands- und Hygieneregeln, die mittlerweile am Flughafen gelten, unübersehbar. Schon an den Eingangstüren sind Informationen angebracht, alle fünf Minuten weisen mehrsprachige Durchsagen auf Maskenpflicht und Sicherheitsabstand hin. Insgesamt 80 Desinfektionsspender an wichtigen Kontaktpunkten am Terminal – etwa in der Gepäckhalle – stehen bereit. 10 000 Bodenmarkierungen an Gepäckbändern, im Check-in-Bereich oder anderen Stellen, an denen sich die Reisenden anstellen, zeigen den nötigen Abstand auf.

Derzeit ist das Abstandhalten kein Problem, auch wenn allmählich wieder mehr Betrieb herrscht. „Die Tendenz ist steigend“, freut sich Stefan Schulte, Vorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport. Seien in der vergangenen Woche noch 3000 Passagiere geflogen, seien es mittlerweile 6000 pro Tag. Von den Vor-Corona-Zeiten mit 60 000 bis 80 000 Passagieren täglich ist das allerdings noch weit entfernt.

Plexiglasscheibe sorgt für Schutz

Das wirkt sich auf die Länge der Schlangen und entsprechend auf die Geduld der Passagiere aus – wobei direkter Kontakt zwischen Mitarbeitern und Passagieren bei Check-In, Gepäckabgabe und Boarding möglichst weitgehend vermieden werden soll, wie Klaus Froese, CEO des Lufthansa Hub Frankfurt, am Mittwoch erläutert. Online-Check-In und selbstständige Gepäckaufgabe sind da besonders bedeutsam. Ist doch einmal unmittelbarer Kontakt am Schalter nötig, sorgt eine Plexiglasscheibe für gegenseitigen Infektionsschutz.

Allzu große Nähe soll auch bei der Sicherheitskontrolle vermieden werden. Damit es nicht zu viele „Berührungsflächen“ gibt, sollen Kleingeld, Schlüssel und dergleichen nun nicht in einer Plastikwanne abgelegt, sondern in Jackentaschen oder im Handgepäck verstaut werden. Zudem werden zusätzliche Sicherheitsspuren aufgemacht, sollten sich die Reisenden stauen und allzu eng aneinander rücken, sagt Michael Dewenter, Leitender Polizeidirektor der Bundespolizei am größten deutschen Verkehrsflughafen. Seien Nachkontrollen nötig, würden die Reisenden von der eigentlichen Kontrollspur weg geleitet – „und die Mitarbeiter sollen möglichst seitlich, nicht frontal stehen“, so Dewenter über den möglichst großen Schutz auch für das Sicherheitspersonal.

Auch der Boarding-Prozess sei auf Abstands- und Hygieneregeln abgestimmt, versichert Froese. Die Passagiere würden in kleinen Gruppen an Bord gebeten, in denen die Reihenfolge durch den Sitzplatz bestimmt werde – erst die Reisenden mit den Fensterplätzen, dann gehen die Passagiere mit einem Platz am Gang an Bord. Beim Einsteigen überreichen die Flugbegleiter nicht etwa ein Bonbon für den Druckausgleich beim Start, sondern ein Desinfektionstuch.

Keine Maskenpflicht im Cockpit

Zu Sorgen vor einer möglichen Infektionsgefahr in der Flugzeugkabine verweist Froese auf die Filter, die bereits vor der Krise in den Klimaanlagen der Flugzeuge eingebaut waren und für die „Luftqualität eines Operationssaals“ sorgten. Offene Speisen würden nicht angeboten und es werden Flaschen ausgeteilt statt Getränke auszuschenken.

Doch immerhin: Am Terminal herrscht nicht mehr die gespenstische Leere der ersten Corona-Monate. Passagiere stehen wieder vor den Schaltern. Natürlich mit Maske. Nur das Cockpit ist nach Angaben eines Piloten maskenfreie Zone: „Beim Fliegen tragen wir keine.“ Die soziale Distanz von Menschengruppen sei schließlich garantiert. lhe