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Schule Minister Alexander Lorz sieht positive Bemühungen um bessere Bildungssprache / Klasse probt Stück der schwedischen Autorin

Deutsch lernen mit Lindgren

Wiesbaden.Die 27 Mädchen und Jungs aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern ihrer Eltern treten fröhlich hervor: „Guten Morgen, guten Morgen, wir winken uns zu“, rufen sie in der Wiesbadener Adalbert-Stifter-Schule aus und winken wirklich mit den Händen. Dann variieren sie das Ganze mit Rennen, Singen, Schnipseln, Pfeifen, Stampfen und Flüstern. Kein Zweifel: Die Teilnahme am dreiwöchigen „Deutsch-Sommer“ mitten in den großen Ferien macht den Grundschülern aus ganz Wiesbaden Spaß. Spielerisch verbessern die Kinder mit Migrationshintergrund ihre Sprachkenntnisse und erfüllen damit dem am Donnerstag zu Besuch gekommenen hessischen Kultusminister Alexander Lorz (CDU) einen Herzenswunsch.

Die Förderung der Bildungssprache Deutsch hat sich der Politiker als Leitmotto seiner einjährigen Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz (KMK) auf die Fahnen geschrieben. Im Dezember will er mit seinen 15 Amtskollegen dazu Empfehlungen und Richtlinien verabschieden, die dann deutschlandweit verbindlich gelten.

Lorz spricht von einem „Meilenstein“, denn das wäre die erste Vereinbarung dieser Art in der Geschichte der Kultusministerkonferenz. Warum ihm das so wichtig ist, erläutert der hessische Ressortchef mit Hinweis auf die vielen Nationen, aus denen heutzutage die Schülerinnen und Schüler kommen. In Hessen liegt der Anteil der unter Sechsjährigen mit Migrationshintergrund bereits bei mehr als 50 Prozent.

Zusätzliche Stunde

„Das Beherrschen der Grundlagen und auch Feinheiten unserer Sprache ist entscheidend für das Erschließen weiterer Bildungsinhalte“ sowie „die Grundvoraussetzung für jede Schullaufbahn“, betont der KMK-Präsident. Kein Kind solle mangels Sprachkenntnissen daran scheitern, einen seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechenden Weg in Schule und Beruf einzuschlagen. In Hessen hat die schwarz-grüne Koalition eine zusätzliche Deutsch-Stunde in den Grundschulen vereinbart. Und die Vorlaufkurse zum Deutsch-Lernen vor Schuleintritt der Kinder sollen verbindlichen Charakter bekommen. Neben einer Förderung der Sprach- und Lesekompetenz setzt der hessische Kultusminister in der Schule vor allem auf die Implementierung eines Grundwortschatzes, das Entwickeln einer lesbaren Handschrift und das korrekte Beherrschen der Rechtschreibung.

Und bei seinen Ressortkollegen der anderen Bundesländer scheint Lorz mit dem Anliegen offene Türen einzurennen. Die Resonanz sei sehr ermutigend, sagt er bei einer Zwischenbilanz seiner Kampagne zur Bildungssprache Deutsch in der Wiesbadener Grundschule.

Deren stellvertretende Leiterin Sabine Prillwitz freut sich, „dass das Haus mitten in den Ferien so mit Leben erfüllt ist“. Projektleiterin Jasmin Koch berichtet, dass den 27 Teilnehmern des Deutsch-Sommers für die Alternative zu der Fahrt in den Urlaub keine Arbeitsblätter ausgehändigt werden. Nur das Buch „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren ist allgegenwärtig, denn dazu wollen die Drittklässler am Ende des Kurses ihren Eltern und Geschwistern stolz ein Theaterstück vorführen, für das sie bereits jetzt eifrig proben.

Der Deutsch-Sommer läuft parallel in mehreren hessischen Städten und wird von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt finanziell gefördert. Deren Präsident Roland Kaehlbrandt ist Sprachwissenschaftler und berichtet erfreut von den Ergebnissen einer Befragung früherer Teilnehmer. 91 Prozent sagen, ihre Sprache habe sich verbessert, 78 Prozent melden schulische Verbesserungen und 74 Prozent auch bessere Noten.

Kultusminister Lorz legt im Übrigen Wert darauf, dass bessere Deutsch-Kenntnisse nicht nur für die Schüler mit Migrationshintergrund von Vorteil sind, sondern auch für eine ganze Reihe hierzulande Geborener und mit Deutsch als Muttersprache Aufgewachsener. Lehrerin Koch berichtet denn auch von knapp einem Drittel solcher Schüler in den ganzjährig laufenden Rechtschreibkursen.