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Unesco Im Geopark Bergstraße-Odenwald vermitteln Ranger zwischen Mensch und Umwelt

Die Botschafter der Natur

Lorsch.Wilfried Schneider bringt Kindern die Natur nahe, bastelt und experimentiert mit ihnen und stellt Bio-Honig her. „Kinder auf dem Land kennen ihre Umgebung heute auch nicht mehr, sie sind auch nicht mehr so draußen“, sagt der Rentner aus Walldürn im Neckar-Odenwald-Kreis. Im Grunde seien die Kinder aber nicht anders als früher: „Das Interesse kommt wieder, man muss es nur wecken.“ Vielen fehle einfach Anleitung. Der 66-Jährige ist einer von 27 Rangern im Unesco Geopark Bergstraße-Odenwald.

Ihr rund 3500 Quadratkilometer großes Einsatzgebiet verteilt sich auf drei Bundesländer – denn der Geopark umfasst Gebiete von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Es verläuft zwischen dem Unesco-Welterbe Grube Messel, dem Rheintal über den Odenwald bis zum Neckartal. „Der Begriff Ranger hat anderswo eine andere Bedeutung, wir hier sind eher wie Lehrer in der Umweltbildung“, sagt Rangerin Frauke Heise-Rabes aus Heidelberg.

Vom Wissenschaftler zum Ranger

Die 56 Jahre alte Kräuterspezialistin ist seit 2005 dabei. „Ich würze zu Hause nur noch mit selbstgesammelten Kräutern.“ Viele Menschen seien unsicher, welche Kräuter essbar seien. „Sie kaufen beispielsweise Bärlauch im Geschäft, obwohl er eigentlich hinter ihrem Haus wächst.“ Auch Kräutersalz stellt die studierte Geografin her. Sieben bis acht Einsätze als Rangerin macht Heise-Rabes im Jahr, dabei steht sie auch oft an Infoständen. „Es macht mir Spaß mit den Leuten zu kommunizieren, zu berichten, was der Geo-Park ist.“ Als ihre eigenen Kinder noch kleiner gewesen seien, habe sie häufig Themenwanderungen, Führungen zu Burgen und Gewässern oder Umweltrallys für Kinder organisiert.

Mike Walker erklärt Erwachsenen auf Wanderungen die Landschaft – meist an der Bergstraße und im Felsenmeer. „Den Leuten einen neuen Blick auf die Landschaft zu geben, macht mir viel Spaß“, sagt der 58 Jahre alte Biologe und Geologe. „Weg vom Oberflächlichen und hin zu Fragen, wie: Wieso wächst hier Wein und kein Wald?“ Sechs, sieben Kilometer sind die Wanderungen im Schnitt lang, „denn wir bleiben ja oft für Erklärungen stehen, manchmal gibt es auch eine Weinprobe“. Zweimal pro Monat ist der Engländer aus dem hessischen Groß-Gerau als Ranger unterwegs – seit 2004. „Ich bin immer noch begeistert dabei.“ Die Ausbildung zum Ranger habe etwa ein halbes Jahr gedauert, immer an den Wochenenden. „Das war eine richtig gute und sehr umfassende Ausbildung. Wir haben viel gelernt über die Landschaft von richtigen Experten.“

Die meisten Ranger haben ein natur- oder geowissenschaftliches Studium und werden vom Geo-Natupark nach Kriterien der Bundesarbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (BANU) ausgebildet. „Diese befähigt sie, in der gesamten Region zielgruppenspezifisch Führungen und umweltpädagogische Aktionen durchzuführen“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Geo-Naturparks, Jutta Weber, im südhessischen Lorsch.

Die vielfältigen Angebote für Kinder und Erwachsene haben die Ranger gemeinsam mit dem Geopark entwickelt. Sie bereiten in Werkstätten mit Sechs- bis Zehnjährigen Bärlauchpesto und Wildwiesensuppe zu oder folgen Tierspuren. Bei Führungen lernen Familien das Heidelberger Schloss aus geologischem Blickwinkel, ökologische Betriebe oder das Buntsandstein-Tafelland und das Naturschutzgebiet „Kühkopf-Knoblochsaue“ kennen. Geo-Ranger sammeln zudem mit Familien Pilze und Wildkräuter und kochen daraus ein Menü.

Vermittler aus Leidenschaft

Von den 27 Rangern sind 20 Frauen und sieben Männer, wie Weber sagt. Sie seien etwa zwischen 30 und mehr als 60 Jahre alt und haben ganz unterschiedliche Berufe. Einige sind voll berufstätig, andere arbeiten freiberuflich – oder sind wie Schneider im Ruhestand. Wie viele Stunden sie als Ranger aktiv sind, sei daher unterschiedlich. Für einen zwei- bis dreinhalbstündigen umweltpädagogischen Einsatz gibt es 100 Euro plus Fahrtkosten, am Info-Stand 15 Euro pro Stunde.

Schneider hat schon vor 13 Jahren angefangen und pro Jahr etwa 30 bis 40 Einsätze, die meisten im Ferienprogramm in seinem Heimatland Baden-Württemberg und in Bayern. „Das hält fit und liegt mir.“ Da er Industrie-Desgin studiert und drei Jahrzehnte Lampen und Leuchten in einer Manufaktur entwickelt habe, bastle er besonders gerne. „Wir sehen uns als Vermittler zwischen der Natur, der Geschichte, dem geologischen Raum und dem Betrachter.