Länder

Gleichstellung Frauen-Union fordert mindestens 30 Prozent der Sitze in CDU-Gremien für Frauen / Wahlrechtsreform vor neuem Anlauf

„Die CDU ist männlich geprägt“

Archivartikel

Stuttgart.Die Frauen-Union fordert von der Südwest-CDU einen Frauenförderplan. Landeschefin Susanne Wetterich nennt im Interview 30-Prozent Frauenanteil in Parteigremien als Untergrenze.

Frau Wetterich, die Frauen-Union nimmt einen neuen Anlauf für eine Reform des Landtagswahlrechts. Wie wollen Sie mehr Frauen ins Parlament bringen?

Susanne Wetterich: Wir gehen auf ein Zwei-Stimmen-Wahlrecht los, das es für den Bundestag gibt und für viele Landtage. Zunächst gucken wir uns an, wie das in anderen Ländern funktioniert und machen dann einen Vorschlag. Die CDU muss sich in dieser Frage vor der Landtagswahl im Frühjahr 2021 positionieren.

Aber die Landtagsfraktion hat eine Änderung vor zwei Jahren abgelehnt. Wie wollen Sie die Abgeordneten rumkriegen?

Wetterich: Wir wollen jetzt ein anderes Modell. Unsere Abgeordneten sehen auch, wie die letzten Wahlen gelaufen sind und wie die Prognosen sind. Ich kann mir deshalb vorstellen, dass es in der Fraktion eine gewisse Bewegung gibt.

Obwohl es bei Bundestagswahlen eine Liste gibt, schickt die CDU aus Baden-Württemberg nur vier Frauen in den Bundestag, aber 34 Männer. Was wird da besser?

Wetterich: Die CDU hat im Land alle 38 Wahlkreise direkt gewonnen. Deshalb muss man schauen, wen die Partei in den Wahlkreisen aufstellt. Das ist aber eine andere Baustelle. Dafür muss sich parteiintern was ändern. Es kann nicht so bleiben, weil der Frauenanteil in allen Parlamenten besonders gering ist.

Glauben Sie, dass sich das ändert, wenn die Kandidaten für die Landtagswahl nominiert werden?

Wetterich: Ich erwarte, dass die CDU Ausschau hält nach geeigneten Frauen. Es gibt gute Frauen, die Interesse an einer Kandidatur haben. Für die erhoffen wir uns Unterstützung der Partei, damit die auch aufgestellt werden. Und hoffentlich viele in aussichtsreichen Wahlkreisen. Es müssen mehr werden als bei der Wahl 2016. Da hatten wir 15 Direktkandidatinnen und 31 Ersatzkandidatinnen für die 70 Wahlkreise.

Hat die Kampagne „Frauen im Fokus“ der CDU was gebracht?

Wetterich: Es gab ganz gute Ansätze. Man hat geguckt, dass Frauen in der Partei sichtbarer werden, hat sie herausgestellt. Wir müssen jetzt einen Frauenförderplan mit klaren Zielvorgaben entwickeln. Das sieht nicht nur die Frauenunion so. Die Gespräche mit Generalsekretär Manuel Hagel laufen. Da wird demnächst etwas zu hören sein.

Was ist vordringlich?

Wetterich: Da geht es um verbindliche Zielvorgaben und Quoren auch für Parteigremien. Für uns ist die jetzt schon seit über 20 Jahren geltende 30-Prozent-Marke dabei eine Untergrenze. Weiterhin geht es um neue Arbeitsweisen. Eine Frau mit kleinen Kindern kann nicht ohne weiteres jeden Abend auf Sitzungen rumhängen. Da sind andere Abläufe in der Parteiarbeit notwendig.

Es gibt eine Kanzlerin und eine Parteichefin in Berlin, aber die Frauen in der CDU kommen nicht voran. Warum ist dieser Sachverhalt so?

Wetterich: Allein durch die Besetzung der Führungspositionen mit Frauen ist das Problem nicht gelöst. Die CDU ist eine Partei mit einer männlich geprägten Politiktradition. Durch ihr Alter hat die CDU eine andere innerparteiliche Kultur als jüngere Parteien. Das heißt nicht, dass wir das nicht ändern können. Nur dauert das bei uns ein bisschen länger und die Gegenkräfte sind auch stärker.

Was genau erwarten Sie sich von der Spitzenkandidatin der CDU, Susanne Eisenmann, für die Frauen?

Wetterich: Ihre Spitzenkandidatur wird den Frauen einen Schub geben. Da bin ich mir sicher. Wir versprechen uns sehr viel von der Chance, dass Baden-Württemberg eine Ministerpräsidentin bekommen kann. Aber unsere Schlachten müssen wir schon selbst ausfechten.

Zum Thema