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Stuttgart 21 Läden aus dem fast 100 Jahre alten Bonatzbau ausgezogen / Umbau für rund 250 Millionen Euro

Die große Leere im Hauptbahnhof

Archivartikel

Stuttgart.Die Reisenden hetzen durch die rund 190 Meter lange und 75 Meter breite Bahnhofshalle. Es geht vorbei an vielen leeren Geschäften. Nur die Glasfronten deuten noch darauf hin, dass hier bis vor wenigen Wochen Kioske, Zeitungsläden, Bäcker oder auch mehrere Fast-Food-Ketten waren. Das alles gehört nun der Vergangenheit an, denn der 100 Jahre alte Bonatzbau, der in seiner Geschichte gute wie schlechte Zeiten erlebt hat, wird im Zuge von Stuttgart 21 umgebaut. 250 Millionen Euro sollen investiert werden, so lauten die aktuellen Kostenschätzungen. Es wird nun sechs Jahre dauern, bis er neu eröffnet wird.

Er soll dann 2025 gemeinsam mit dem umstrittenen Hauptbahnhof eine weitere Epoche in der Stadtgeschichte einläuten. „Der neue Bonatzbau ist damit Teil der Zukunft Stuttgarts“, sagt Michael Groth, Leiter des Regionalbereichs Südwest der DB Station & Service AG.

Doch zunächst muss alles raus. Ein Kahlschlag für das Gebäude – eine Entkernung, wie es fachlich richtig heißt. „Das sieht ja erschreckend aus“, sagt eine Reisende aus Nürtingen. Ist um die Mittagszeit mal kurz weniger los in dem historischen Gemäuer, herrscht eine regelrechte Geisterstimmung.

1928 fertiggestellt

Ein Blick zurück: Als sich Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts die Zahl der Einwohner Stuttgarts verdoppelte, wurde der alte Bahnhof mit seinen vier Gleisen am Stadtrand zu klein. Architekt Paul Bonatz erhielt damals den Zuschlag für den Bau eines neuen Bahnhofsgebäudes, das 1928 fertiggestellt wurde und durch das heute am Tag durchschnittlich rund 300 000 Reisende strömen. Der Bonatzbau galt damals als Meilenstein der architektonischen Geschichte und als Symbol der Moderne. Auch in Zukunft soll er sein äußeres Erscheinungsbild behalten – schließlich sind die Mauern denkmalgeschützt. Innen wird er aber kaum wiederzuerkennen sein. Rund 100 Jahre nach seiner Eröffnung soll der Bau zu einer modernen Shoppingmall mit 50 Geschäften umgebaut werden. Auch ein Vier-Sterne-Hotel mit 150 Zimmern wird sich einquartieren. Das alles ist geplant auf „zwei lichtdurchfluteten Ebenen“. Von dem Gebäude aus sollen Reisende direkten Zugang zu den Gleisen erhalten, verspricht die Bahn.

Doch die Umbauarbeiten haben auch ihre Begleiterscheinungen. Die örtlichen Medien berichten davon, dass einige der Mitarbeiter in den bestehenden Geschäften entlassen wurden. Andere seien auf Filialen verteilt worden. Und: Ganz ohne Geschäfte ist der Bonatzbau noch nicht. Neben einem Servicestand der Deutschen Bahn bieten ein paar Verkäuferinnen Obst und frische Säfte an. „Wir sind die letzten hier“, sagt eine von ihnen. Auch sie müssen in zwei Monaten raus. „Hauptbahnhof Stuttgart: Einkaufsvielfalt von früh bis spät an 365 Tagen im Jahr“, ist noch immer auf einer Werbefläche an der Außenfassade zu lesen. Das trifft die nächsten Jahre erst einmal nicht mehr zu.

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