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Nachhaltigkeit: 2 Nachfrage nach Gebäuden mit geringer CO-Belastung wächst / Rund zehn Milliarden Euro werden jährlich investiert

Die Hauptstadt grüner Büros

Archivartikel

Frankfurt.Das Thema Nachhaltigkeit ist längst auch bei Gewerbeimmobilien angekommen. „Immer mehr Unternehmen, vor allem international agierende wollen zumindest bevorzugt zertifizierte, grüne Gebäude anmieten“, sagt José Martinez, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate in Frankfurt. Also würden sich Projektentwickler, Investoren und Vermögensverwalter wie auch Immobilienmakler mehr und mehr an diesen Wünschen ausrichten – so wie beim Global Tower im Frankfurter Bankenviertel.

Dabei handelt es sich nicht einmal um einen Neubau, sondern um die ehemalige Commerzbank-Zentrale mit 30 Etagen verteilt auf 110 Meter Höhe. 1974 wurde das Gebäude gebaut, seit Ende 2018 wird es komplett entkernt. Die Betonstruktur ist noch bestens erhalten. Jetzt wird es nach modernsten Energie- und Nachhaltigkeitsstandards modernisiert – wie bei bislang keinem anderen Bürogebäude in Deutschland, sagt Martinez.

Dazu zählen intelligente Heiz- Kühldecken, hohe Schallschutzstandards, eine doppelt verglaste Fassade, die je nach Sonnenstand automatisch verschattet und an der trotzdem Fenster geöffnet werden können.

Mehr Stellplätze für Fahrräder

Das alles reduziere den Energieverbrauch deutlich, erläutert Jan Gumprecht vom Projektentwickler German Estate. Zudem soll die nachhaltige Mobilität der Beschäftigten unterstützt werden, mit E-Ladestationen für Autos in der Tiefgarage, wobei, für Martinez durchaus erstaunlich, auf Wunsch der für die rund 25 000 Quadratmeter Bürofläche bislang gewonnenen Mieter, fast mehr Abstellplätze für Fahrräder statt Auto-Parkplätze eingerichtet werden.

In die Folien der Präsentationsunterlagen über Green Buildings schafft es sogar Greta Thunberg. Es gehe nicht nur um „Grün“ und Klimafreundlichkeit, betont Martinez freilich, sondern auch um soziale und soziokulturelle Qualität der Gebäude in Verbindung mit ökonomischen Kriterien.

Nicht nur die CO2 Bilanz des Gebäudes steht im Fokus, also Energieeffizienz, möglichst geringer Stromverbrauch und schadstoffarme und recyclingfähige Baustoffe, Energieeffizienz. Architekten und Baufirmen müssen sich auch um Gesundheitsschutz, die Ausrichtung auf Rollstuhlfahrer, um entsprechendes Raum-Klima, um Anbindung an den ÖPNV und die Infrastruktur für einen möglichst umweltfreundlichen Transport kümmern. Dafür erhalten sie das begehrte Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Es bewertet Ökologie, Ökonomie, soziokulturelle und funktionale Aspekte, Technik, Prozesse und Standort und dies über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes.

Weil der Global Tower kein Neubau ist reduziere sich die CO2-Belastung schon während der Bauphase um 50 Prozent, sagt Martinez. Allerdings zwingt auch die enge Bebauung im Frankfurter Bankenviertel mit diversen Hochhäusern und vier weiteren, die gerade unweit des Global Tower entstehen, zu möglichst großer Energieeffizienz. Denn der verfügbare Strom ist angesichts der vorhandenen Zuleitungen begrenzt.

270 Millionen Euro kostet die nachhaltige Sanierung der ehemaligen Commerzbank-Zentrale. Direkt daneben wird gerade der neu gebaute Omniturm fertiggestellt mit 33 Etagen verteilt auf 190 Metern mit rund 55 000 Quadratmeter Mietfläche, davon gut 44 000 für Büros, der Rest für Wohnungen und Gastronomie. Auch hier geht es um eine möglichst geringere CO2 Belastung, sagt Martinez. Angestrebt wird das Zertifikat LEED, das auf nachhaltige Baustellen, Wassereffizienz, Energie und Atmosphäre, Materialien und Ressourcen, die Luftqualität im Gebäude sowie auf Innovationen und die mögliche Nutzung durch die Öffentlichkeit größten Wert legt.

260 Gebäude in Frankfurt

Global Tower und Omniturm sollen zu Vorzeige-Objekten werden und die Stellung Frankfurts als Zentrum nachhaltiger Bürogebäude in Deutschland stärken. Rund 260 Gewerbe- und Bürogebäude im deutschen Finanzzentrum sind bereits als „grün“, weniger Klimabelastend und nachhaltig zertifiziert oder stehen kurz davor, sagt Martinez. In München und Hamburg seien es knapp 190, in Berlin rund 180. Insgesamt gebe es in Deutschland mittlerweile 1800 als grün zertifizierte Gebäude.