Länder

Parteien Gespräch mit neuer Juso-Chefin im Südwesten / Bernickel fordert Auflösung politischer Flügel in Mutterpartei

Die Jungen verlangen ein Zehntel der Macht

Stuttgart.Geschwisterpaare in der Politik sind eher selten. Stephanie Bernickel (Bild) und ihr Bruder Julius sind da eine Ausnahme und sie machen gerade auch noch in der selben Partei Karriere: Im März wurde Julius mit 18 Jahren im Alb-Donau-Kreis zum bundesweit jüngsten Kreisvorsitzenden der SPD gewählt, Schwester Stephanie ist 29 und seit ein paar Tagen die Vorsitzende der Jungsozialisten in Baden-Württemberg.

Die Nachwuchsfrau zeigt sich im Gespräch mit unserer Redaktion sehr selbstbewusst: „Wir sind der inhaltliche Motor der SPD in Baden-Württemberg. Die Jusos müssen ernst genommen werden.“ Bernickel will die SPD aus dem „Dornröschen-Schlaf wecken“.

Stephanie Bernickel fällt bei den Jusos ein wenig aus dem üblichen Rahmen. Mit ihren 29 Jahren leitet sie bereits ein Immobilien-Team bei der Volksbank Laupheim-Illertal. „Ich unterstütze die Menschen bei der Verwirklichung ihres Traums vom Eigenheim“, beschreibt sie ihren Job. Wohnungsbau sei ihr „politisches Herzensanliegen“. Mit der Forderung, in Baden-Württemberg 7500 Hektar neue Baugebiete auszuweisen, tritt sie auch manchem Parteifreund auf die Füße. Der Landesregierung wirft sie Konzeptionslosigkeit vor. „Vor allem die Grünen sehen das Problem gar nicht“, kritisiert sie. Das gelte aber auch für Teile der SPD: „Wir wissen manchmal nicht, was die Leute wirklich betrifft.“

Für Bernickel tickt die SPD am Puls der Zeit vorbei. „Zuletzt war die SPD kommunikativ zu sehr auf die soziale Gerechtigkeit fokussiert. Die Menschen haben uns hier nicht richtig verstanden“, kritisiert sie die Schwerpunktsetzung gerade für Baden-Württemberg. In ihrem ersten Jahr will die Juso-Vorsitzende dagegen ihren Schwerpunkt bei Umweltschutz und Klimapolitik setzen. Das zukunftsweisende Thema habe man zu sehr den Grünen überlassen.

Kritik an Generalsekretärin

Für die Krise der SPD hat auch sie „kein Patentrezept“. Die Partei ducke sich zu oft weg, nicht nur in der Spitze, auch in der Basis. Nachholbedarf sieht sie bei der Generalsekretärin Luisa Boos. Neben SPD-Landeschefin Leni Breymaier müsse auch Boos die Partei in der Öffentlichkeit präsentieren.

Bei der noch laufenden Aufarbeitung der 12,7-Prozent-Schlappe bei der Landtagswahl im März 2016 wird nach Bernickels Ansicht in der Partei zu viel geredet und zu wenig geändert. „Ich befürworte die Abschaffung der Flügel in der SPD. Solche Parallelstrukturen binden einfach zu viele personelle Ressourcen. Die Beschäftigung mit Vereinigungen wie der Demokratischen Linken bringt uns nicht weiter.“

Die Jusos wollen in der Südwest-SPD ein größeres Stück der Macht. Bernickel fordert eine Jugendquote bei allen Wahlen mit Kandidatenlisten: „Zehn Prozent aller aussichtsreichen Plätze müssen für jüngere Kandidaten reserviert werden. Die Jusos sind die Zukunft der Partei.“ Bild: dpa