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Die Uhr tickt

Pünktlich wie die Bahn? Bahnkunden wissen: Der Spruch galt zuletzt im vergangenen Jahrhundert. Mit Umstellungsproblemen war zu rechnen. Schließlich ist ein Betreiberwechsel unter laufendem Fahrplan quasi eine Operation am offenen Herzen. Aber dass es mit dem Wechsel im Stuttgarter Schienenregionalverkehr für die Fahrgäste so dick kommen würde, ist schon überraschend. Schon nach knapp einer Woche Betrieb wünscht sich mancher die zuvor so oft kritisierte Bahn mit ihren veralteten Zügen zurück. Motto: Was nützt dem Fahrgast das Wlan im neuen Zug, wenn der gar nicht erst fährt?

Der Fairness halber muss gesagt werden, dass die Probleme nur zum Teil den neuen Betreibern anzulasten sind. Wenn neue Betreiber die Aufgaben eines bisherigen Monopolisten übernehmen, treten Schwierigkeiten auf. Zudem müssen sie die Folgen der Lieferprobleme bei den Zugherstellern ausbaden. Dem ist zuzuschreiben, dass es keinen Test unter Realbedingungen gab, wie sonst üblich. Dazu neue Abläufe, neue Züge, neue Software, neues Personal und unglückliche Zufälle – es braucht Zeit, bis ein solch komplexes neues System auf dem richtigen Gleis ist.

Nur: Die Uhr tickt. Spätestens, wenn die Pfingstferien vorbei sind, ist auch Verkehrsminister Winfried Hermann mit in der Verantwortung. Er will die Pendler von der Straße auf die Schiene bringen. Dann muss er auch dafür sorgen, dass die Züge fahren. Sonst sitzen die Pendler ganz schnell wieder im eigenen Auto. Stau hin oder her.