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Urteil Metropole muss ab 2019 Antrieb aus Stadtgebiet entfernen, um Stickoxidkonzentration zu verringern

Diesel-Fahrverbot für Frankfurt

Archivartikel

Frankfurt/Wiesbaden.Den Fahrern älterer Autos droht im kommenden Jahr in Frankfurt ein großflächiges Fahrverbot. Das hat das Verwaltungsgericht Wiesbaden gestern entschieden. Demnach sind zunächst von Februar 2019 an Dieselfahrzeuge mit Euro-4-Motoren sowie Benziner der Schadstoffklassen 1 und 2 betroffen, wie der Vorsitzende Richter Rolf Hartmann in seiner Urteilsbegründung sagte. Vom 1. September an sollen auch Euro-5-Diesel tabu sein. Frankfurt ist damit die erste Stadt in Hessen mit einem Fahrverbot für Dieselfahrzeuge.

Scharfe Kritik

In welchem Gebiet es konkret zu Fahrverboten kommen soll, gab das Gericht nicht verbindlich vor. Das Fahrverbot könnte sich an den bestehenden Grenzen der Umweltzone in Hessens größter Kommune orientieren, erklärte der Richter. Diese wird vom Autobahnring um die Stadt begrenzt. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte wegen der Überschreitung von Stickoxidgrenzwerten geklagt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling bedauerte das Urteil: „Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge stellen einen Einschnitt in das städtische Gesamtverkehrssystem in einem bisher nicht bekannten Ausmaß dar“, sagte er. Die Kommune müsse nun „die Versäumnisse der Automobilindustrie und auch die Versäumnisse der Bundesregierung ausbaden“, kritisierte er.

Die Umweltdezernentin der Rhein-Main-Metropole, Rosemarie Heilig, forderte eine „konsequente Durchsetzung des Rechts auf saubere Luft auf allen politischen Ebenen“. Von der Bundesregierung forderte sie: „Zwingen Sie die Hersteller endlich zu Hardware-Nachrüstungen, damit die Fahrzeuge real nicht mehr Schadstoffe ausstoßen als bei der Zulassung angegeben.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze erhöht nach dem Urteil den Druck auf Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). „Mein Kollege im Bundesverkehrsministerium sollte sich nun endlich meiner Position anschließen und gegenüber der Autoindustrie für Hardware-Nachrüstungen kämpfen“, sagte die SPD-Politikerin gestern.

Bundesweit gibt es bereits in Hamburg ein Dieselfahrverbot für ältere Dieselfahrverbote in zwei besonders betroffenen Straßen der Hansestadt. In Stuttgart sollen ab Jahresbeginn 2019 Fahrverbote ebenfalls für ältere Dieselfahrzeuge gelten. Zuvor hatte das Bundesverwaltungsgericht geurteilt, dass Dieselfahrverbote in Städten grundsätzlich zulässig sind.

Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts muss der neue Luftreinhalteplan von Frankfurt bis zum 1. Februar 2019 mit den Maßnahmen in Kraft treten. Damit soll erreicht werden, dass die Schadstoffbelastung der Luft wieder unter die vorgeschriebenen Grenzwerte sinkt. Insgesamt ordnete das Gericht drei Maßnahmen an, damit die Luft in Frankfurt wieder sauberer wird. Neben dem Dieselfahrverbot muss die Bus-Flotte mit Filtern nachgerüstet werden. Zudem sollen für eine Absenkung der Schadstoffbelastung kostenlose Park&Ride-Parkplätze angeboten werden, um ein Umsteigen der Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel in die City zu erreichen. Die Klage der DUH richtete sich gegen das Land, das für die Fortschreibung der Luftreinhaltepläne in den hessischen Städten verantwortlich ist. Die Pläne müssen dafür sorgen, dass die Stickoxidgrenzwerte auf Dauer und sicher eingehalten werden. Nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts für ein Verbot in Frankfurt muss das Land nun dafür sorgen, dass dieses auch umgesetzt wird.

Atemwege gefährdet

Die Luftverschmutzung durch Stickoxide kann dazu führen, dass beispielsweise Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgelöst oder verschlimmert werden. Besonders gefährdet sind Menschen, die in der Stadt leben. Auch auf Tiere, Pflanzen und Böden wirken die Gase schädlich. Stickoxide sind unerwünschte Nebenprodukte in Kfz-Motoren – besonders Diesel – oder beim Verbrennen von Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfällen. Sie tragen unter anderem zur Bildung von Feinstaub bei.

„Wir müssen begreifen, dass es um die Gefährdung der Gesundheit von uns allen geht“, hatte der Vorsitzende Richter betont. „Es ist Aufgabe des Landes seit der Jahrtausendwende, darauf zu achten, dass Grenzwerte eingehalten werden“, betonte Hartmann. „Es ist nicht das Hobby einer Umweltvereinigung, die sich profilieren will.“