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Dreyer gegen Baldauf

Archivartikel

Mainz.Am 14. März wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt, also bleiben den Parteien nur gut zwei Monate für den Wahlkampf. Ein heißer Wahlkampf mit vielen öffentlichen Kundgebungen und Andrang rund um Infostände wird es coronabedingt natürlich nicht sein. Spannend wird der Wahlausgang aber auf jeden Fall. Ob die im Land überaus populäre Ministerpräsidentin Malu Dreyer von der SPD oder ihr Herausforderer Christian Baldauf von der CDU das Rennen macht, gilt als offen.

Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren schien um diese Zeit alles klar zu sein: Die CDU mit ihrer Spitzenkandidatin Julia Klöckner lag in den Umfragen so weit vorn, dass sich die Herausforderin auf Wahlplakaten bereits voreilig als „die neue Ministerpräsidentin“ feiern ließ. Doch da hatte sie die Rechnung ohne die Amtsinhaberin gemacht: In einer Aufholjagd schaffte es Malu Dreyer, ihre Beliebtheit voll auszuspielen und am Ende doch noch die SPD wieder klar zur stärksten Partei zu machen.

Klöckner hatte das Nachsehen, blieb zunächst weiter Oppositionsführerin im Mainzer Landtag, um schließlich 2018 als Bundesministerin für Landwirtschaft und Verbraucher nach Berlin zu wechseln. Ihr Nachfolger als CDU-Fraktionschef im Landtag und jetzt auch Spitzenkandidat zur Landtagswahl wurde der heute 53-jährige Rechtsanwalt Christian Baldauf aus Frankenthal, der bis 2011 schon einmal Vorsitzender der Fraktion im Landtag war.

Schlechte SPD-Werte

Im Vergleich zu Klöckner hat Baldauf den Vorteil, weniger zu polarisieren, aber auch den Nachteil eines deutlich geringeren Bekanntheitsgrads. Zugute kommt ihm indes auch der Rückenwind aus der Bundespartei, wo die CDU von der hohen Zustimmung für Kanzlerin Angela Merkel im Kampf gegen das Coronavirus profitiert. Wie das aber nach der Wahl von Friedrich Merz, Armin Laschet oder Norbert Röttgen zum neuen CDU-Vorsitzenden aussieht, ist die Frage.

Würde der Mainzer Regierungschef direkt gewählt, hätte die 59-jährige Dreyer laut Umfragen einen gewaltigen Vorsprung. Bei der Parteienpräferenz aber liegt derzeit die CDU wieder klar vorne. Immerhin kommt die SPD in Rheinland-Pfalz mit Dreyer an der Spitze in der Regel auf um die zehn Prozent bessere Ergebnisse als im Bund. Allerdings ist die Ausgangsbasis da mit etwa 16 Prozent arg bescheiden. Und so wird für die Zukunft der von Dreyer geführten Ampelkoalition viel vom Abschneiden der Koalitionspartner Grüne und FDP abhängen.

Die Grünen scheinen der Beförderungsaffäre im Umweltministerium zum Trotz, die zum Rücktritt der Ressortchefin Ulrike Höfken führte, mit der jetzt zur Doppelministerin avancierten Spitzenkandidatin Anne Spiegel zulegen zu können. Die FDP, die auch mit ihrer neuen Nummer eins, Daniela Schmitt, wieder zur Ampel bereit scheint, schwächelt aber noch.

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