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Witterungsfolgen 40 Fällungen im Frankfurter Grüneburgpark / Auch andere hessische Kommunen betroffen

Dürre lässt Stadtbäume sterben

Frankfurt.Die Rotbuche mit der Nummer 782 hat es nicht geschafft. Ihre Blätter sind vertrocknet, ebenso wie die paar Bucheckern, die sie noch austreiben konnte, bevor sie 43 Jahre nach ihrer Pflanzung abstarb. Der Baum im großen Frankfurter Grüneburgpark gehört zu insgesamt 40, die auf dem Gelände gefällt werden müssen. Darunter Birken, Fichten, Ahornbäume, Robinien. Die Trockenheit habe die Ausfallrate verdoppelt, sagt der Leiter des Grünflächenamts, Stephan Heldmann am Dienstag. In anderen hessischen Städten sieht die Lage nicht besser aus.

Insgesamt 230 000 Bäume zählt die Stadt Frankfurt auf ihrem Gebiet. Um deren Zustand und vor allem Standfestigkeit zu beurteilen, sind regelmäßig spezielle Gutachter unterwegs. Weitaus häufiger als in anderen Jahren stellten sie infolge des Dürrejahres 2018 nun fest, dass Bäume nicht mehr zu retten sind. Entweder sind sie vertrocknet oder konnten sich nicht mehr gegen Schädlinge wehren. Auch weil verdörrte Äste abbrechen können und gefährlich sind, muss in diesen Fällen die Säge angesetzt werden. Normalerweise betrage die altersbedingte Ausfallrate 0,7 Prozent, sagt Heldmann. Im Grüneburgpark mit seinen knapp 3000 Bäumen sei sie auf 1,5 Prozent angestiegen, in einem anderen Park sogar auf fünf Prozent.

480 000 Euro Zusatzkosten

Besonders gefährdet sind junge Bäume, deren Wurzeln noch nicht so tief in die Erde reichen. Wie auch vergangenes Jahr müssen sie vermehrt gegossen werden, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). 2018 halfen dabei sogar die Feuerwehr und die Entsorgungsfirma FES, 480 000 Euro Zusatzkosten entstanden. Um die Situation zu beobachten, sei die Neuanpflanzung bis Herbst ausgesetzt worden, sagt Heilig. Dann sollen andere Baumarten zum Zuge kommen, die besser mit Trockenheit zurechtkommen. Nordamerikanische Amberbäume oder ungarische Eichen beispielsweise. „Der Klimawandel ist da, und wir stecken mittendrin“, sagt die Grünen-Politikerin. Dies sei auch im Stadtwald zu merken, die geschwächten Bäume seien anfällig für Pilze oder Schädlinge wie etwa den Borkenkäfer.

Auch in Darmstadt treten die Dürrefolgen nun deutlich zutage. Bäume zeigten deutliche Schäden oder seien abgestorben. „Um die Verkehrssicherungspflicht zu gewährleisten, müssen auch Bäume, die eventuell eine Gefahr bedeuten, gefällt oder zurückgeschnitten werden“, sagt ein Sprecher. Jungbäume würden gegossen. Dies geschieht auch in Wiesbaden, mit großem personellen Einsatz, wie ein Sprecher des Umweltamtes berichtet.

Auch Osthessen bleibt nicht verschont. „Totholzbildung, absterbende einzelne Äste und ganzer Astpartien bis hin zum Totalausfall alter Bestandsbäume sind auch auf den niedrigen Grundwasserstand zurückzuführen“, berichtet ein Sprecher der Stadt Fulda. Jungbäume würden schon seit April bewässert. Die Stadt setze inzwischen auf andere Arten, wie etwa tropische Gleditschien. Das tatsächliche Ausmaß des Schadens steht wohl erst in einigen Jahren fest, da Bäume nur allmählich auf Trockenstress reagieren. Hinzu kommt, dass die Trockenheit sich fortsetzt. Besonders gelte dies für den Süden und Westen Hessens, sagt Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Das sei problematisch auch für tiefwurzelnden Bäume. In Frankfurt sei der Boden unterhalb von etwa 80 Zentimetern Tiefe deutlich trockener als im Sommer 2018. Der Klimawandel mache Wetterlagen wie die derzeitige wahrscheinlicher. Die Temperaturen stiegen tendenziell, und es gebe mehr Sonnenstunden. „Zum Ausgleich müsste es mehr regnen, doch das ist nicht der Fall. Der Regen bleibt im Mittel etwa gleich“, sagt der Meteorologe. Wenn es regne, sei dies zudem oft eher kräftig, dann folge wieder eine Trockenperiode – das Wasser fließe dann oft einfach ab.

Regen von drei Monaten fehlt

„Es fehlt die Regenmenge von drei Monaten“, sagt der Agrarmeteorologe. In Sicht seien derartige Niederschläge nicht. „Es kommt ab Donnerstag zwar Regen in Form von Schauern oder Gewittern, doch das reicht nicht aus“, sagt Brömser. Im Schnitt würden zehn bis 15 Liter pro Quadratmeter erwartet, das löse das Trockenproblem nicht nachhaltig. In den tieferen Bodenschichten werde voraussichtlich gar nichts davon ankommen.