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Justiz Stadt Landau trifft für Prozess der Superlative hohe Sicherheitsvorkehrungen

Ein Fall, der Spuren hinterlässt

Landau.Mia hat keine Chance. Sieben Stiche treffen die 15-Jährige in einem Drogeriemarkt im südpfälzischen Kandel. Einer erreicht das Herz und ist tödlich. Das Verbrechen vom 27. Dezember 2017 zerstört nicht nur das Leben ihrer Familie. Es löst erneut eine intensive Debatte über den Umgang mit Flüchtlingen aus – und beschert dem Ort eine Welle von Demonstrationen rechtspopulistischer Gruppierungen.

Denn der mutmaßliche Täter ist ein Flüchtling aus Afghanistan, dem das Mädchen einige Wochen zuvor den Laufpass gegeben hat. Am kommenden Montag (18. Juni) beginnt vor dem Landgericht Landau hinter verschlossenen Türen der Mordprozess gegen den jungen Mann – just zu einer Zeit, in der der gewaltsame Tod eines anderen Mädchens deutschlandweit für Entsetzen sorgt: Die 14-jährige Susanna aus Mainz ist kürzlich in Wiesbaden getötet worden. Ein Flüchtling aus dem Irak hat diese Tat gestanden.

Nach Ansicht des evangelischen Pfarrers Arne Dembek, der Mia konfirmiert hat, hat ihr Tod „Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen“. Susannas Tod sei ein „Déjà-vu“-Erlebnis.

Gewisse Alarmzeichen hatte es schon vor Mias Tod gegeben. Sie hatte sich Anfang Dezember von dem Jugendlichen getrennt, der zuvor wegen einer Körperverletzung bei einem Schulhofstreit aufgefallen war. Der Verdächtige suchte weiter Kontakt, was aber nicht gut ankam. Am 15. Dezember erstattete Mia Anzeige gegen den Ex-Freund wegen Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Zwei Tage später folgte eine Anzeige des Vaters. Noch kurz vor der Bluttat soll dem jungen Mann von Polizeibeamten eine Vorladung überbracht worden sein.

Motiv: Eifersucht und Rache

Am Tattag soll er Mia und zwei Begleitern in einen Supermarkt gefolgt sein und dort das Messer gekauft haben. Danach, so die Ermittler, folgte er dem Mädchen in den Drogeriemarkt und stach mehrfach zu – getrieben von Eifersucht und Rache. Dem jungen Mann wird Mord zur Last gelegt. Er selbst hatte sein Alter mit 15 Jahren angegeben, was bald bezweifelt wurde. Ein Gutachten der Staatsanwaltschaft ergab, dass er zur Tatzeit mindestens 17 Jahre und sechs Monate alt war, wahrscheinlich aber schon 20.

Da ein Zusatzgutachten die Zweifel nicht ausräumen konnte, ging das Landgericht in Anwendung des Zweifelsgrundsatzes davon aus, dass er zur Tatzeit das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Bei Angeklagten zwischen 14 und 17 Jahren gilt Jugendstrafrecht. Deshalb wird der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts geführt – ohne Publikum. Zumindest für Landau wird das Verfahren ein Prozess der Superlative, mit großen Sicherheitsvorkehrungen. „Es ist einer der aufsehenerregendsten Prozesse des ganzen Jahres in ganz Deutschland“, sagt Gerichtssprecher Robert Schelp. Die Stadt Landau hatte angekündigt, dass die Reiterstraße und Moltkestraße am 18. Juni von 7 bis 18 Uhr gesperrt werden. Ein Umfahren sei über die Weißquartierstraße, die Martin-Luther Straße sowie den Ostring möglich.

Der Fall sticht heraus, weil rechtspopulistische Gruppen die Tat zum Anlass nahmen, um regelmäßig gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren. Auch Gegendemonstranten kamen, große Polizeiaufgebote sicherten die Veranstaltungen, die zunächst Tausende anzogen. Kandel befeuerte zudem die bundesweite Debatte um die Altersbestimmung bei jungen Flüchtlingen. Das Verfahren an sich bewege die Bürger in Kandel vor Prozessbeginn gar nicht mal so sehr, sagt ein Sprecher der Verbandsgemeindeverwaltung. Für Emotionen habe Susannas Tod gesorgt, weil es „gewisse Parallelen“ gebe. Den Menschen gehe es um Grundsätzliches in der Asylpolitik und darum, dass die Demonstrationen aufhörten, die für die Kommune mit großem Aufwand und für den Handel mit Einbußen verbunden seien.