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Braunsbach Zwei Jahre nach der Flutkatastrophe wird das Stadtbild von andauernden Sanierungsmaßnahmen geprägt

Ein Ort als gigantische Baustelle

Archivartikel

Braunsbach.Baustellenzäune, überall Baustellenzäune in Braunsbach. „Der Ort ist eine gigantische Baustelle“, sagt Bürgermeister Frank Harsch. Zwei Jahre ist die Flut schon her, doch immer noch kämpft die Gemeinde im Kreis Schwäbisch Hall mit den Folgen. Humor kann helfen: Der Maibaum in der Ortsmitte ist dieses Jahr mit Baustellenschildern geschmückt. Auch der Bürgermeister ist bemüht, Optimismus zu verbreiten und die Chancen zu betonen, die aus der Katastrophe erwachsen sind.

Am Abend des 29. Mai 2016, ein Sonntag, verwandelt sich der kleine Orlacher Bach, der inzwischen wieder als Rinnsal durch den Ortskern fließt, nach heftigen Regenfällen in einen reißenden Strom. In jeder Sekunde flossen Forschern zufolge bis zu 150 Kubikmeter Wasser ins Tal –so viel, als ob jemand auf der Höhe jede Sekunde einen mittelgroßen Swimmingpool auskippt. Mit dem Wasser schossen Geröll und Holzstämme ins Tal. Die Folgen: verheerend. Das große Glück: Menschen kamen dabei nicht zu Schaden an Leib und Leben.

Gleich nach der Flut wurden die Straßen nur provisorisch repariert, jetzt wird saniert. Dabei kommen Glasfaser- und Nahwärme-, Strom- und Wasserleitungen in die Erde. Das Glasfasernetz wird stark erweitert, außerdem konnte ein neues Feuerwehrhaus gebaut werden. Unter anderen Umständen hätte es Jahrzehnte gedauert, bis die Gemeinde mit rund 2500 Einwohnern all das bekommt, davon ist der Bürgermeister überzeugt. Allerdings müssen die Braunsbacher in Kauf nehmen, dass auch nächstes und übernächstes Jahr Baustellenzäune mancherorts den Weg versperren.

„Man braucht einen langen Atem, das haben wir gewusst“, sagt der Seniorchef des „Gasthof zum Löwen“ im Ortszentrum, Robert Philipp. Sein Gastraum ist wieder hergerichtet, am Jahrestag wird der Gaststättenbetrieb laufen, wie am Tag der Flut. Philipp geht davon aus, dass die Bilder von damals dann schon wieder hoch kommen. Den Campingplatz direkt am Kocher besuchen viele Gäste, die die Braunsbacher unterstützen wollen, erzählt die Frau des Inhabers, Bärbel Sorg. Bei ihr hat die Katastrophe eine Angst hinterlassen, die immer dann aufkommt, wenn sich der Himmel verdunkelt. „Da hab ich schon Bauchweh“, sagt sie. Den Regenradar hat sie seither immer im Blick.

Zu der Zeit, als sich die Wassermassen vor zwei Jahren meterhoch türmten und ihre ganze Gewalt entfalteten, treffen sich die Braunsbacher am Jahrestag (29. Mai, 20 Uhr) auf dem Marktplatz. Der Posaunenchor soll spielen, nach kurzen Ansprachen ist ein Fürbittgebet der evangelischen Pfarrerin und ihres katholischen Kollegen geplant. Eine kleine Gedenkfeier soll es sein.

Den Häuserzeilen entlang der Flutschneise sieht man an: Braunsbach hat sich erholt. Die Probleme privater Hausbesitzer und Bürger seien inzwischen weitestgehend gelöst, sagt Harsch. Manche Braunsbacher waren gut versichert, andere weniger gut. „Ohne Spenden wären einige komplett unter die Räder gekommen“, meint der CDU-Politiker. 1,7 Millionen Euro wurden gespendet, die Auszahlung soll dieses Jahr abgeschlossen werden. lsw