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Politik Kommunen hoffen auf Verbleib des US-Militärs im Land

„Ein wertvoller Wirtschaftsfaktor“

Archivartikel

Ramstein/Spangdahlem.Der Name ist nicht schmeichelhaft. „Flugzeugträger der Amerikaner in Deutschland“ – diesen Ruf haben Stützpunkte wie das riesige Ramstein mit Tausenden US-Soldaten sowie Kampfjets dem Bundesland Rheinland-Pfalz eingebracht. Seit 2011 ist Ramstein die Zentrale der umstrittenen Drohneneinsätze der USA. Doch der „Flugzeugträger“ könnte bald weiterfahren.

Unverhohlen drohen die USA mit einem Teilabzug ihrer Truppen von Deutschland nach Polen, Grund sind unter anderem die aus Sicht Washingtons geringen Verteidigungsausgaben der Bundesregierung. Also: Good bye, GI? Wie sehen die Menschen an den US-Stützpunkten das? Vor allem in Rheinland-Pfalz, in dem laut Innenministerium rund 18 500 US-Soldaten stationiert sind? Bundesweit sind es 35 000. „Die Streitkräfte sind natürlich ein wertvoller Wirtschaftsfaktor“, sagt Bürgermeister Ralf Hechler von der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach. Er schätzt die jährliche Finanzkraft – also Löhne, Gehälter, Mieten und Aufträge in die regionale Wirtschaft – auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar im Jahr. Hinzu kommt aktuell rund eine Milliarde US-Dollar für ein neues US-Krankenhaus.

Amerikaner in Rheinland-Pfalz, das ist viel mehr als Militär und geopolitisches Kalkül. Längst gibt es soziale Verflechtungen in Kirchengemeinden, Vereinen, Lebenspartnerschaften. Hollywoodstar Bruce Willis ist dafür ebenso ein Beispiel wie Schriftsteller Charles Bukowski, beide in Deutschland als Sohn stationierter US-Soldaten geboren. Oft ist es eine Verbindung über die Dienstzeit hinaus. „Wenn Amerikaner in Ruhestand gehen“, sagt Hechler, „kaufen sich sehr viele ein Eigenheim und bleiben in Deutschland – die meisten für immer.“

Umfangreiche Neuinvestitionen

Allein in Rheinland-Pfalz sind rund 7200 deutsche Ortskräfte an US-Standorten beschäftigt. Die Gewerkschaft werde mit Nachdruck für den Erhalt der zivilen Arbeitsplätze kämpfen, sagt Susanne Riedel von Verdi. Der rheinland-pfälzischen Landesregierung liegen nach eigenen Angaben allerdings keine Ankündigungen von US-Seite vor, die Stationierungsplanung zu ändern. „Auch die für die kommenden Jahre vorgesehenen umfangreichen Neuinvestitionen werden nach aktuellem Kenntnisstand nicht in Frage gestellt“, teilte eine Sprecherin in Mainz mit.

Nicht zuletzt deshalb will man in der Pfalz also nicht glauben, dass US-Präsident Donald Trump die jahrzehntelang mit Höhen und Tiefen gewachsenen Beziehungen mit einem Federstrich beendet. Zumal Trump ein persönliches Verhältnis zu dem Landstrich im Südwesten Deutschlands hat: Seine Vorfahren stammen aus Kallstadt in der Pfalz. Erst Ende 2018 hatte der Berliner US-Botschafter Richard Grenell verkündet, dass Trump den Winzerort besuchen wolle. Zuletzt war davon aber keine Rede mehr. lrs

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