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Essen und Trinken Hauk stellt Jahresbericht zu Kontrollen vor / Geprüft wurden Hygiene, Kennzeichnung und Inhaltsstoffe

Ekel-Alarm bei Lebensmitteln

Archivartikel

Stuttgart.Rückstände in Lebensmitteln, unsauberes Trinkwasser, Schimmel am Zapfhahn, Mäuse und Kakerlaken – im vergangenen Jahr sind in Baden-Württemberg mehr als 700 Betriebe vor allem wegen mangelnder Hygiene geschlossen worden. In 16 Prozent der mehr als 78 000 kontrollierten Betriebe wurden Verstöße festgestellt. Dies erklärte Baden-Württembergs Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) gestern bei der Vorstellung des Jahresberichts zur Lebensmittelkontrolle.

Die Kontrolleure hätten insgesamt mehr als 111 000 Proben entnommen – etliche Stellen wurden mehrmals besucht. Beim Durchblättern des 51-seitigen Jahresberichts vergeht einem im wahrsten Sinne des Wortes der Appetit. Wer in der heißen Jahreszeit zum Beispiel gerne auf Fleisch und Käse in Grillschalen zurückgreift, läuft Gefahr, neben dem Grillkäse auch Aluminiumreste mitzuessen. Die Lebensmittelkontrolleure untersuchten 17 Alu-Schalen stichprobenartig. In sieben Fällen wurden erhöhte Mengen Aluminium nachgewiesen.

Nachdem der Fipronil-Skandal im vergangenen Jahr für Ekel in ganz Europa sorgte, wurden auch in Baden-Württemberg mehr als 400 Proben auf das Insektizid getestet. „Unter den Produkten, in denen Fipronil nachgewiesen wurde, befanden sich auch Eier aus einem baden-württembergischen Betrieb“, sagte Hauk. Von 217 Lebensmitteln mit Eiern aus dem Südwesten wurden acht beanstandet.

Auch kuriose Fälle

Meist handelt es sich um kleine Betriebe – darunter auch eine Gaststätte, in der die Kontrolleure verschimmelte Speckwürfel, Spätzle und Thunfisch fanden, ebenso wie verschimmelte Zapfhähne. Der Betrieb durfte erst wieder öffnen, nachdem die Missstände beseitigt waren. Das war ein Fall für die Staatsanwaltschaft, es erging ein Strafbefehl. Den Ort wollte Hauk nicht nennen.

Kurioses findet sich ebenfalls im neuen Bericht. So hatte eine Schnapsbrennerei zu Herstellung von Hochprozentigem Material aus dem Baumarkt verwendet. Das aus der Brennanlage austretende Destillat wurde in einem schwarzen Mörtelkasten gesammelt und mit einer Pumpe durch Gartenschläuche in einen Kanister gelassen. Der Betreiber der Brennerei wurde zu einem Bußgeld verdonnert, schließlich dürfen bei der Herstellung von Lebensmittel nur lebensmittelechte Gegenstände eingesetzt werden, heißt es in dem Bericht Hauks.

Auf einem Weihnachtsmarkt mussten die Kontrolleure auch einen Glühwein verbieten. Der Bleigehalt war so hoch, dass der Glühwein als gesundheitsschädlich eingestuft wurde. Grund war, dass der zum Aufwärmen eingesetzte Kupferkessel eine Beschichtung hatte, die sich löste. In einem anderen Fall stellte ein Gastronom eine Eiswürfelmaschine in den Toilettenraum. Neben der Toilette wurden demnach Eiswürfel für kühle Getränke gemacht. Das Gerät wurde eingezogen, der Wirt erhielt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.

Auch bei der Kennzeichnung von Produkten wurden wieder viele Hersteller ertappt. So wurden Lebensmittel als regional bezeichnet, obwohl sie das gar nicht sind. Beim Speiseeis wird laut Hauk ebenfalls oft getrickst. Wer Vanilleeis verkauft, muss auch echte Vanilleschoten verwenden. „Wer dies nicht macht und nur Aromen verwendet, müsste sein Produkt als Eis mit Vanillegeschmack verkaufen“, so der CDU-Politiker. Für den Verbraucher müsse erkennbar sein, ob es sich um echte Vanille oder nur ein Aroma handle. Hauks Fazit: „Die Untersuchung zeigte, dass über die Hälfte aller Proben falsch gekennzeichnet waren.“

Nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Kosmetik deckten die Kontrolleure Verstöße auf. Bei sogenannten Wimpernwachstumsprodukten wurden Arzneimittelstoffe eingesetzt, bei denen die Nebenwirkungen unklar sind. Hauk: „Über die Hälfte aller untersuchten Wimpernwuchsmittel mussten beanstandet werden.“ (mit dpa)