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Verkehrsplanung Das Coronavirus hat einige Infrastrukturprojekte verzögert, andere liefen weiter / So sieht die Planung für 2021 aus

Entscheid zu Bahntunnel steht an

Archivartikel

Frankfurt.Überfüllte Züge, verstopfte Straßen: Das sonst übliche und viel beklagte Bild aus den hessischen Großstädten hat sich im Frühjahr vergangenen Jahres schlagartig ins Gegenteil verkehrt. Der erste Corona-Lockdown hat die Mobilität stellenweise zum Erliegen gebracht. Die Verkehrsplanungen liefen dennoch unbeirrt weiter. Und so stehen auch im Jahr 2021 spannende Projekte an. Eine Übersicht:

Brennstoffzellen: Die Elektromobilität wächst, auch im öffentlichen Nahverkehr sind zunehmend batteriebetriebene Busse unterwegs. Mehr und mehr von sich reden macht zudem der Antrieb via Brennstoffzellen. Ab Ende kommenden Jahres will der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) im Taunus 27 Brennstoffzellenzüge einsetzen, die mittels Wasserstoff fahren. Der Spatenstich für die zugehörige Tankstelle im Industriepark Höchst fand bereits statt. Der Verbund stellte zudem ein weiteres Vorhaben vor, das in den kommenden Monaten umgesetzt werden soll: In neun Städten und Landkreisen soll es emissionsfreie Sammeltaxis mit Elektro- oder Wasserstoff-Antrieb geben, die als On-Demand-Verkehr digital von Fahrgästen bestellt werden können.

Fernbahntunnel: Weiter geht der Schienen-Ausbau in Hessen, etwa auf der Strecke der S 6 im Norden Frankfurts. Ende 2021 fertig wird nach Erwartung der Deutschen Bahn der Homburger Damm, der künftig Staus vor dem Frankfurter Hauptbahnhof verhindern soll. Dort ist auch ein Mammutprojekt angesiedelt, zu dem es noch keine Entscheidung gibt: der Fernbahntunnel. Er soll Regional- und Fernverkehr bei An- und Abfahrt auf den Hauptbahnhof trennen. Der Fernverkehr würde unterirdisch an- und abfahren, der Regionalverkehr verbliebe in der Bahnhofshalle des Kopfbahnhofes. Die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zu dem Milliarden-Vorhaben erwartet die Deutsche Bahn in diesem Frühjahr. Untersucht wurde, ob das Projekt überhaupt realisierbar ist, welche Kosten und Auswirkungen auf den Bahnverkehr zu erwarten sind.

Digitalisierung: Auch in Hessen schreitet die Digitalisierung voran. Kommunen investieren in Grüne-Welle-Apps und digitale Ampeln, die den Verkehr sinnvoller lenken sollen, auch um Abgase zu reduzieren. Frankfurt hofft zudem, mit Online-Infos für Radfahrer über Wetter, Baustellen, Leihräder oder Abstellanlagen noch mehr Menschen zum Umsteigen zu bringen. Auch die Erprobung des autonomen Fahrens soll weiter gehen. Das Pilotprojekt mit fahrerlosen Minibussen, die im Auftrag des RMV unter anderem am Frankfurter Mainufer und auf einem Klinikgelände in Wiesbaden verkehrten, ruht aber derzeit wegen Corona. Bald möglichst soll es wieder aufgenommen werden, diesmal im Rheingau.

Seilbahn: Bequem per Gondel in luftiger Höhe über die alltäglichen Staus hinweg schweben – das war eine groß diskutierte Vision im Jahr 2019. Doch noch immer gibt es keine Entscheidung für ein Pilotprojekt. Ideen gab es viele, beispielsweise für eine Strecke entlang des Mains in Frankfurt. Eine vom RMV in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für eine luftige Verbindung von Oberursel-Hohemark über den Großen Feldberg bis nach Schmitten ergab nun, dass sie für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wirtschaftlich nicht tragfähig wäre. „Gründe hierfür sind das geringe verkehrliche Aufkommen und die nur begrenzt erzielbaren Reisezeitvorteile für den ÖPNV“, hieß es.

Verkehrswendegesetz: Nachdem Initiativen in mehreren hessischen Städten Zehntausende Unterschriften gesammelt hatten, ist es mit dem Bau von Radwegen 2020 vorangegangen. Nun soll der Schritt auf die Landesebene folgen. Die Vorbereitungen für ein Volksbegehren über ein Hessisches Verkehrswendegesetz sind trotz Corona vorangekommen, heißt es. Nun komme es auf die Pandemielage an. „Eine Unterschriftensammlung macht nur Sinn außerhalb eines Lockdowns“, sagte Heiko Nickel vom Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland. lhe