Länder

Justiz Polizist sagt im Prozess um Nürburgring-Affäre aus

„Er kam mir suspekt vor“

Mainz.Der Prozess um gefälschte Schecks im Zusammenhang mit der 2009 gescheiterten Privatfinanzierung des Freizeitparks am Nürburgring hat vermutlich seine letzte Zeugenvernehmung gesehen. Am Mittwoch sagte vor dem Mainzer Landgericht ein Kriminalhauptkommissar aus. Er hatte vor Jahren den Geschäftspartner eines angeblichen US-Milliardärs in Florida vernommen. Letzterer wollte vermeintlich Geld in das Projekt pumpen, Schecks entpuppten sich aber als ungedeckt.

Der Kriminalhauptkommissar war bei den Ermittlungen nach dem Ring-Fiasko in die USA gereist, um den Geschäftspartner zu befragen. Erschienen sei dieser damals in „goldfarbenem Anzug“, mit Riesen-Krawatte und Armringen. Das sei ihm nicht angemessen erschienen, erklärte der Polizist. „Er kam mir schon ein wenig suspekt vor.“

Verfahren neigt sich dem Ende zu

In dem Verfahren in Mainz ist der Schweizer Geschäftsmann Urs Barandun wegen Betrugs angeklagt. Er überreichte vor rund zehn Jahren die vermeintlich rund 100 Millionen US-Dollar schweren Schecks des angeblichen US-Milliardärs an Ring-Verantwortliche. Den angeblichen reichen Finanzier hatte der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) als „ganz großen Milliardärsadel“ bezeichnet. Letztlich stellte sich heraus, dass auf dem zu den Schecks gehörigen Konto kaum mehr als 50 Dollar waren – die Privatfinanzierung scheiterte krachend, das Land Rheinland-Pfalz musste finanziell einspringen, in der Folge trat Landesfinanzminister Ingolf Deubel (SPD) zurück.

Deubel war erst vor wenigen Tagen vom Koblenzer Landgericht zu zwei Jahren und drei Monaten Haft wegen Untreue verurteilt worden, nachdem ein früheres Urteil des Landgerichts vom Bundesgerichtshof teils aufgehoben worden war. Gegen das jüngste Urteil legte der Ex-Politiker abermals Revision ein.

Die Identität des vermeintlichen Milliardärs ist bis heute ungeklärt. Auch deshalb neigt sich das Verfahren dem Ende zu. Das Gericht will unter anderem die Aussage des Partners aus Florida verlesen lassen, dann dürften Plädoyers und Urteil folgen. lrs