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Staufen Zeugen sagen im Missbrauchsprozess aus

Ermittler: Die Mutter hatte eine aktive Rolle

Archivartikel

Freiburg.Im Hauptprozess um den Missbrauch eines Kindes in Staufen will das Landgericht Freiburg bis Anfang August das Urteil verkünden. Die Beweisaufnahme sowie die Plädoyers werden länger dauern als ursprünglich geplant, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin gestern. Einen genauen Termin zur Urteilsverkündung gebe es noch nicht. Anfangs hatte das Gericht am 16. Juli das Urteil sprechen wollen. Dies werde aber nicht zu schaffen sein.

Angeklagt sind die 48 Jahre alte Mutter des Kindes sowie ihr 39-jähriger Lebensgefährte. Sie haben gestanden, den heute neun Jahre alten Jungen mehr als zwei Jahre lang im Darknet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben. Zudem sollen sie auch selbst das Kind sowie ein drei Jahre altes Mädchen mehrfach missbraucht haben.

Es gibt acht Tatverdächtige. Die Mutter und ihr Lebensgefährte sind Hauptbeschuldigte. „Die Mutter hat in dem Missbrauchsfall eine aktive Rolle gespielt“, sagte gestern ein Polizeibeamter vor Gericht. Dies belegten Fotos und Filme, die bei ihr gefunden worden seien. Dort sei zu sehen, wie sich die Frau mehrfach an ihrem Sohn vergehe, ihn beschimpfe und ihn für Vergewaltigungen vorbereite. Sie sei in Tatplanungen und Termine eingebunden gewesen.

Der wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafte Lebensgefährte, der den Jungen nach eigenen Angaben mit Wissen der Mutter jahrelang vergewaltigt und anderen Männern für Geld überlassen hat, habe gemeinsam mit der Frau und ihrem Sohn in einer Wohnung in Staufen gelebt – obwohl ihm dies gerichtlich verboten gewesen sei. Die Polizei habe davon erstmals Anfang März 2017 erfahren und das Jugendamt alarmiert, sagte ein weiterer Beamter.

Behördenversäumnisse geprüft

Jugendamt und Justiz stehen in dem Fall in der Kritik. In dem Fall gibt es eine Debatte um mögliches Behörden- und Justizversagen. Heute will das Gericht erstmals Mitarbeiter von Jugendamt und Gerichten als Zeugen hören. Sie sollen nach Angaben des Landgerichts Freiburg zu etwaigen Versäumnissen vernommen werden. Dem Jugendamt und zwei beteiligten Gerichten wird vorgeworfen, den heute neun Jahre alten Jungen nicht geschützt zu haben.