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Prozess Priester soll auch Mannheimer Konvent betrogen haben

Ex-Dekan will Geständnis ablegen

Mannheim.Alexander Bächle vom Rechnungshof für die Erzdiözese Freiburg spricht von Missbrauch. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der 51-Jährige. Bächle ist als Zeuge im Prozess gegen einen ehemaligen katholischen Dekan und Pfarrer vor das Landgericht Mannheim geladen. Das versucht seit mehreren Verhandlungstagen zu klären, in welchem Umfang der angeklagte Geistliche einen örtlichen Caritasverband, eine Pfarrgemeinde und den Ursulinen-Konvent in Mannheim betrogen hat.

Dass am Ende des Prozesses ein Schuldspruch stehen wird, war von Beginn an klar. Nach einem anfänglichen Versuch, seine Taten zu rechtfertigen, lässt Anwalt Edgar Gärtner alsbald mitteilen, dass sein Mandant zu einem Geständnis bereit sei. Damit ist der Weg frei zu einer verfahrensverkürzenden Verständigung, einem Deal, der grundsätzlich eher unüblich ist, in dem Fall aber von allen Beteiligten unterstützt wird.

Gestern stimmen Staatsanwaltschaft und Verteidigung dem Vorschlag des Landgerichts von vergangener Woche formal zu; das hatte rund vier Jahre Gefängnis gefordert. Am Donnerstag will der Ex-Dekan, der seit Ende vergangenen Jahres in Mannheim in Untersuchungshaft sitzt, sein Geständnis ablegen.

Doch noch werden Zeugen vernommen, gestern ist es Bächle. Vor Gericht erzählt er von knapp 3000 Euro, die in der Barkasse der Gemeinde fehlten; von „Fresszetteln“, die der Geistliche dort hineingelegt habe, wenn er Geld entnommen habe; von Eigenbelegen, die die Sekretärin dann anstelle der Fresszettel geschrieben habe; von nicht beglichenen Nebenkostenabrechnungen für die Pfarrwohnung; von Zehntausenden von Euro, die die Pfarrgemeinde für die IT-Technik an den örtlichen Caritasverband gezahlt habe, Geld, von dem am Ende der Angeklagte profitiert habe.

Weitere Strafe droht

„Dieser Fall hat sich tief bei mir eingegraben“, sagt Bächle. Er sei den Eindruck nicht losgeworden, dass ihm die Leute nicht alles gesagt hätten, was sie wüssten. Und so sei es sehr mühsam gewesen, an Informationen kommen. „Entweder geschah dies aus Angst oder aus übertriebener Loyalität.“ Der Angeklagte habe die Menschen zu seinen Zwecken manipuliert, so Bächle.

Am Donnerstagnachmittag ist ein Experte in Kirchenrechtsfragen geladen; er soll dem Gericht erläutern, welche Strafe dem Geistlichen in dem noch anstehenden kirchlichen Verfahren droht. sba