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Fakten zum Tuberkulose-Ausbruch in Bad Schönborn

Archivartikel

Bad Schönborn.Vier Tuberkulose-Kranke, 109 Infizierte - und am Freitag wurden weitere Kinder getestet. In Bad Schönborn sorgt ein Ausbruch der meldepflichtigen Krankheit für Unruhe. Wichtige Fragen und Antworten:

Was ist über die Fälle in Bad Schönborn bekannt?

Kurz vor den Pfingstferien wurde bei einem Achtklässler der Michael-Ende-Gemeinschaftsschule in Bad Schönborn Tuberkulose diagnostiziert. Da er sich als hochansteckend erwies, untersuchten die Behörden umgehend Verwandte sowie die Achtklässler seiner Schule. Dabei zeigte sich, dass zahlreiche Kinder Kontakt mit dem Erreger hatten.

Was geschah dann?

Die positiv getesteten Schüler wurden zur weiteren Abklärung geröntgt. Und tatsächlich: Bei drei von ihnen ist die Erkrankung ausgebrochen. Die Behörden beschlossen daher, alle Schüler, Lehrer und Angestellten der Schule zu testen. Das Ergebnis: Zusätzlich zu den nun vier Erkrankten, haben sich laut Landratsamt Karlsruhe insgesamt 109 Personen infiziert.

Warum werden nun Erstklässler einer Grundschule untersucht?

Auch der Bruder des ersten Patienten ist erkrankt. Er besucht die erste Klasse an der Franz-Josef-Kuhn-Grundschule im Ortsteil Langenbrücken. Da der Junge nicht als hochansteckend galt, werden die Klassenkameraden nun - wie vorgesehen - acht Wochen nach dem letzten Kontakt mit einem Erkrankten getestet. So lange kann es dauern, bis eine Ansteckung nachgewiesen werden kann. Auch die Gemeinschaftsschüler müssen nach der Frist von acht Wochen erneut zum Test.

Was ist Tuberkulose eigentlich?

Eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem die Lunge betrifft. Sie gilt heutzutage in Deutschland als gut behandel- und heilbar. Die Ansteckung erfolgt fast immer per Tröpfcheninfektion.

Wie werden Erkrankte behandelt?

Um Ansteckungen zu vermeiden, werden Patienten in Krankenhäusern isoliert. Erst wenn bei drei Untersuchungen der Spucke keine Erreger mehr gefunden werden, dürfen sie wieder nach Hause, erklärt Felix Herth, Ärztlicher Direktor der Thoraxklinik in Heidelberg. Das sei etwa nach 14 Tagen der Fall. Die Erkrankten erhalten noch mindestens sechs Monate lang verschiedene Antibiotika. Damit soll eine Resistenzbildung der Bakterien verhindert werden.

Wie sehen die Symptome einer Tuberkulose aus?

Patienten husten über einen längeren Zeitraum, unter Umständen befindet sich Blut im Sekret. Sie leiden unter Atemnot, Appetitlosigkeit und verlieren häufig an Gewicht. Da Tuberkulose - mit rund 5500 Erkrankungen pro Jahr - nur noch sehr selten in Deutschland vorkomme, veranlassten viele Hausärzte weitere Untersuchungen oft zu spät, kritisiert Experte Herth.

Erkranken alle infizierten Personen?

Nein, bei weitem nicht. Nach Angaben des Gesundheitsamts Karlsruhe erkranken etwa fünf bis zehn Prozent der erwachsenen Infizierten im Lauf ihres Lebens. Bei Kindern liegt die Rate mit 15 Prozent etwas höher.

Wie lange nach der Infektion ist eine Erkrankung möglich?

Das größte Risiko besteht in den ersten beiden Jahren nach einer Infektion. Bei Menschen mit guter Körperabwehr bilden die Abwehrzellen um die Entzündungsherde in der Lunge eine Art Kapsel. Die Infizierten sind dann nicht ansteckend. Die Kapseln können bei einer Verschlechterung der Immunabwehr aber viele Jahre später noch aufbrechen. Der Patient erkrankt.

Können sich Infizierte irgendwie schützen?

Das Landratsamt Karlsruhe empfiehlt Betroffenen eine vorbeugende Behandlung über mehrere Monate. Damit sinkt das Risiko eines späteren Ausbruchs beträchtlich.

Was wird bei den Kontaktpersonen getestet?

Der Test sagt zunächst nur aus, dass die Person irgendwann in ihrem Leben Kontakt mit einem Tuberkulose-Erreger hatte, betont Lungenfacharzt Herth. In der großen Mehrzahl werde das Immunsystem die Bakterien aus eigener Kraft wieder los - ohne, dass die Person erkrankt. Es sei durchaus möglich, dass einige der in Bad Schönborn positiv getesteten Kinder schon vor längerer Zeit mit einer erkrankten Person Kontakt gehabt hätten. Vor allem, wenn sie aus Ländern stammten, in denen Tuberkulose häufiger vorkomme. Das ist etwa in Osteuropa der Fall.

Warum sprechen die Karlsruher Behörden dennoch von 109 Personen, die sich angesteckt hätten?

Nach Angaben des stellvertretenden Karlsruher Landrats Knut Bühler gehen die Gesundheitsbehörden tatsächlich davon aus, dass sich die infizierten Personen bei dem Achtklässler angesteckt haben. „Dafür spricht auch, dass der Test bei 88 Prozent der Schüler des gleichen Jahrgangs positiv war“, argumentiert Bühler. In anderen, weiter entfernte Klassen, seien hingegen nur rund 18 Prozent der Schüler infiziert.

Warum wird nicht mehr gegen Tuberkulose geimpft?

Die Impfung wird seit 1998 hierzulande nicht mehr empfohlen. Der Grund: Die Krankheit ist mittlerweile extrem selten. Außerdem ruft der Lebendimpfstoff laut Robert-Koch-Institut „nicht selten unerwünschte Nebenwirkungen“ hervor.

Wie geht es nun in Bad Schönborn weiter?

Die Ergebnisse der Grundschüler werden Anfang kommender Woche erwartet. Auch Klassenkameraden, die derzeit im Urlaub sind, sollen nach und nach untersucht werden. Außerdem werden alle infizierten Personen vom Gesundheitsamt begleitet und regelmäßig untersucht. „Wir gehen allerdings davon aus, dass einige von ihnen erkranken werden“, sagt Bühler. Eine Gefahr für die Allgemeinheit sieht er nicht. Denn Patienten im Anfangsstadium seien kaum ansteckend. Daher könne der Schulbetrieb nach den Ferien auch wieder normal beginnen.

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