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Kriminalität Öffentlichkeit im Prozess gegen mutmaßlichen Entführer Bernhard H. erneut ausgeschlossen / Urteil soll am 9. Juli fallen

Fall Maria H. lässt viele Fragen offen

Archivartikel

Freiburg.Als die 13-jährige Maria H. im Mai 2013 zusammen mit dem fast 40 Jahre älteren Bernhard H. aus Freiburg verschwindet, beherrscht der Fall die Öffentlichkeit. Fahndungsaufrufe, Suchaufrufe in sozialen Medien, Medienberichte, Fahndung. Doch die Hintergründe des Falls werden für die Öffentlichkeit weitgehend im Dunkeln bleiben. Wesentliche Teile des Prozesses, der dem 58-jährigen Bernhard H. wegen Kindesentzug und sexuellen Missbrauchs in etwa 100 Fällen vor dem Freiburger Landgericht gemacht wird, finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. So auch der für Montag angesetzte Bericht des psychiatrischen Gutachters.

Auf Antrag der Verteidigung schließt das Gericht am Vormittag die Öffentlichkeit aus – es bewertet die schutzwürdigen Interessen des Angeklagten und die von Maria H. höher als das öffentliche Interesse. Diesmal widerspricht die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf das erhebliche öffentliche Interesse, der Widerspruch bleibt erfolglos.

So ist lediglich vom psychiatrischen Gutachter Bernhard Deuringer zu erfahren, dass er „viel Zeit“ mit dem Angeklagten zubringen konnte – was dabei ans Licht kam, bleibt unter Verschluss. So bleibt in dem Fall viel Spekulation. Genährt auch dadurch, dass sich Maria und ihre Mutter gegenüber einzelnen Medien durchaus öffentlich äußern; die Interviews stehen im Netz, in dem es von Spekulationen wimmelt. Auch über die Familie wird viel Schmutz ergossen, dem durch den Ausschluss nicht mit Fakten entgegengetreten werden kann. Die für Montag angesetzte Videoaussage von Bernhard Hs. Stieftochter, die als Kind offenbar einen Übergriff durch den Angeklagten erlitten hat, wird wegen Panikattacken abgesagt – ob sie noch aussagt, ist offen.

So bleiben viele Fragen. Wie gelang es Bernhard. H., in einem Chatforum das Vertrauen von Maria H. zu erschleichen? Wie konnte er den Kontakt trotz polizeilicher Intervention bis zur Flucht ausbauen? Wie manipulierte er die Schülerin so, dass sie freiwillig fünf Jahre lang an seiner Seite blieb? Wie lebten sie jahrelang auf der Flucht, was geschah zwischen den beiden?

Als Maria im August 2018 überraschend wieder bei ihrer Mutter auftaucht, wird H. in Italien festgenommen. Dem Beamten, der ihn abholt, schwärmt er von der Liebe zu Maria vor, dass er später mit ihr leben will.

Die Realität scheint noch immer nicht zu ihm durchgedrungen zu sein. Maria H. selbst – das ist zumindest im Internet von ihr zu hören – ringt noch immer darum, dass sie sich als Opfer anerkennen kann und sich nicht die Schuld dafür gibt, dass Bernhard H. vor Gericht sitzt.

Das Urteil soll am 9. Juli fallen.