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Justiz Bei Aufarbeitung des jahrelangen Missbrauchs eines heute zehnjährigen Jungen setzen Ämter auf stärkere Kontrollen

Fall Staufen: Behörden räumen Fehler ein

Archivartikel

Freiburg.Im grausamen Fall um den jahrelangen Missbrauch eines Jungen aus Staufen bei Freiburg haben die Behörden Fehler eingeräumt und Verbesserungsvorschläge gemacht. Nicht alle Erkenntnismöglichkeiten seien ausgeschöpft worden, hieß es in einem gestern vorgestellten Abschlussbericht. Informationen seien „nicht frühestmöglich“ weitergegeben worden. Die Kommunikation zwischen den Stellen müsse verbessert, der Anhörung von Kindern vor Gericht größere Bedeutung beigemessen und von Gerichten erlassene Verbote müssten kontrolliert werden – von wem, müsse abgestimmt werden.

Ein heute zehn Jahre alter Junge war mehr als zwei Jahre von seiner Mutter und deren Lebensgefährten vergewaltigt und an andere Männer verkauft worden. Den Behörden waren in dem Fall schwere Fehler vorgeworfen worden. Die Familie stand zwar unter Beobachtung. Der Missbrauch blieb aber trotz Hinweisen lange unentdeckt. So wurde beispielsweise ein Kontaktverbot des vorbestraften Lebensgefährten zu dem Kind nicht überwacht. Der Mann lebte monatelang unter einem Dach mit dem Jungen.

Der Leiter des zuständigen Dezernats Soziales und Jugend des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald, Thorsten Culmsee betonte, dass das Jugendamt sich bei Kinderschutzverfahren stärker einbringen wolle. Als Beispiel nannte er die Tatsache, dass das Jugendamt den Jungen in Obhut genommen hatte, das Kind vom Familiengericht aber zurückgeschickt wurde.

Jurist soll Sozialarbeiter beraten

Es sei nicht kritisch hinterfragt worden, warum der Junge nicht angehört wurde. Culmsee kündigte an, dass für das Jugendamt eine neue Stelle für einen Volljuristen geschaffen werde. Damit soll den Sozialarbeitern juristischer Sachverstand zur Seite gestellt werden.

Anhörungen des Kindes sind eigentlich im Gesetz vorgeschrieben. Ausnahmen sind zwar möglich, wurden in diesem Fall aber nicht schriftlich begründet. Auch das müsse anders gehandhabt werden, sagte der Präsident des Karlsruher Oberlandesgerichts (OLG), Alexander Riedel. Die Arbeitsgruppe des OLG Karlsruhe sowie des Amtsgerichts Freiburg und des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald hatte in den vergangenen Wochen mehrfach getagt, um die Vorgänge dieses Falles intern aufzuarbeiten. Eine Aufarbeitung auf Landesebene beginnt nun und soll mithilfe einer ressortübergreifenden Arbeitsgruppe geleistet werden.